Grand Combin – Der Plan der ersten Woche – nur später

Grand Combin Traverse im Wallis

Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Eigentlich wollten wir den Grand Combin schon in der ersten Tourenwoche machen. Wie du aber sicher bereits gelesen hast, war das Wetter so schlecht, dass eine solche Tour nicht möglich war. Für die dritte Woche hatten wir eigentlich einen komplett anderen Tourenplan vorbereitet, wir wollte dann doch die Touren aus der ersten Woche machen. So haben wir die Hütten umgebucht und konnten starten. Das Wetter sollte die ganze Woche gigantisch werden. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, erst den Grand Combin in Angriff zu nehmen, um anschließend am Dent Blanche die Woche zu beenden.

 

Start in Bourg St-Pierre

Ausgangsort für die Tour auf den Grand Combin ist Bourg St-Pierre und ich muss sagen: man fährt echt lange dort hin. Es ist sehr weit und abgelegen. Mit dem Bus ist das Ziel auch erreichbar, aber hier muss man genau planen. Gut, dass wir ein Auto hatten. Wir haben noch eine Nacht im Tal übernachtet, bevor wir am nächsten Tag Richtung Hütte aufgebrochen sind.

Man kann mit dem Auto noch ein wenig weiterfahren und oben auf einem Parkplatz parken. Da wir jedoch die Überschreitung im Auge hatten und dann im anderen Tal herausgekommen wären, haben wir uns dagegen entschieden und sind direkt vom Hotel aus losgegangen.

 

Aufstieg zur Hütte

Der Weg zur Hütte ist schon ab der Ortsmitte gut ausgeschildert und mit 4 ½ Stunden gehört er zu den längeren Zustiegen. Ich habe extra für den Zustieg meine Trailrunningschuhe genommen. Eine Entscheidung, die sich noch öfter als Glücksfall herausstellen sollte. Zustiegsschuhe bieten vor allem den Vorteil, dass man auf den Wanderwegen entspannter vorankommt. Einziger Nachteil, wenn man nicht zur Hütte zurückkehrt, muss man extra Gewicht mit tragen. Das wollte ich in Kauf nehmen, da mir der Komfort beim Zustieg und das Schonen meiner Beine und Füße wichtiger war. Mit Bergschuhen ist so ein Wanderweg bei hohen Temperaturen nicht sehr angenehm.

 

Der Weg führt am Anfang lange auf einer Höhe und an Kühen vorbei, bevor es mit dem ersten Anstieg überhaupt voran ging. Irgendwie hat sich der erste Part schon ein wenig gezogen. Da wir es nicht eilig hatten, konnten wir entspannt gehen. Nach dem ersten Anstieg geht es dann wieder ein paar Meter runter, bevor es über den letzten Anstieg hoch geht. Der erste Part ist sehr grün und im letzten Part geht es über Geröll und einen steileren Aufschwung hoch zur Hütte. Technisch ist der Weg kein Problem. An der Hütte angekommen sieht man bereits den Grat. An der Hütte waren schon Bergsteiger, die bereits oben waren. Nach einem kurzen Austausch und Wegklärung sind sie abgestiegen und wir haben unsere Lager in Beschlag genommen. Als Tipp kann ich nur mitgeben, dass sich ein Austausch immer lohnt und man dadurch noch viele Informationen direkt bekommen kann.

 

Tourdaten

  • Schwierigkeit: S-; Kletterstellen bis 4 möglich
  • Aufstieg: 7-9 Stunden; 1600Hm
  • Abstieg: 5-7 Stunden 2800Hm
  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung; zusätzlich Expressen
  • Abseilpiste: 50m Seillänge und Abseilgerät

Früher Start am Morgen

Frühstück gibt es normalerweise um 3 Uhr und um 3:30Uhr geht man los. Wir sind jedoch bereits um 3 Uhr losgegangen. Wir wollten keinen Stress haben für die komplette Überschreitung. Im Dunkeln und im Schein der Lampen ging es erst noch kurz über den markierten Felsen, bevor die Spur im Schnee weiter ging. Ein Anseilen war hier nicht notwendig. Das Gute vorab, der Schnee hat gehalten. Wir sind nicht eingebrochen und sind schnell vorangekommen. Die Spur, die man am Tag zuvor nicht immer sehen konnte, war eindeutig und logisch und so mussten wir uns keine Gedanken um den Weg machen. Nach dem es anfangs flach war, ging es kurz vor dem Grat doch steiler nach oben. Mit Steigeisen und Eispickel war das im Schnee aber kein Problem. Wie das Gelände aussieht, wenn kein Schnee mehr vorhanden ist, ist schwer einzuschätzen. Ich kann Euch dazu nichts sagen. Nach einem letzten Anstieg waren wir schließlich im Felsen angekommen.

 

Die Kletterei geht los

Für die Kletterei auf den ersten Gipfel des Grand Combin hatten wir extra das Topo und haben uns am Abend vorher mit einem Bergführer besprochen, der auch da war. Er hat uns noch weitere Infos gegeben, das nicht selbstverständlich ist. Am Anfang sind wir ohne Seil direkt am Grat geblieben. Steigeisen hatten wir aufgrund des Eises (geschmolzenes Schneewasser vom Vortag) weiterhin an. Die ersten Meter waren kein Problem. Über die rechte Seite sind wir weiter hochgeklettert. Definitiv nicht der ideale und richtige Weg. Die Orientierung am Grat darf man nicht unterschätzen und man kann sich schnell versteigen. Nachdem wir aber wieder mittig auf dem Grat waren, ging es über den Felsen weiter hoch. Hier gab es Bohrhaken und so haben wir uns aufgrund des rutschigen Felsen für das Seil entschieden. Nico ist vorgestiegen und ich bin nachgekommen und so sind wir dann am laufenden Seil hochgestiegen.

 

Nach der ersten Kletterei ging es für uns weiter im Schnee. Erst eine Querung nach rechts, relativ lang auf einer Höhe, bevor es im Schnee Richtung Gipfel ging. Ohne Schnee muss man wahrscheinlich alles klettern. Wir konnten doch über den Schnee den direkten Weg nehmen. Es war ein wenig wie Eisklettern. Mit der richtigen Technik sind wir schnell vorankommen. Sicherungsstangen haben das Ganze vereinfacht. Hier konnte man bereits das erste Gipfelkreuz und die Sonne sehen. Der erste Part war der technisch schwerste der ganzen Tour. Gerade die Wegfindung und der gefrorene Felsen haben es nicht immer ganz leicht gemacht.

 

Der erste Gipfel – auf zum Nächsten

Oben am ersten Gipfel der Grand Combin Traverse angekommen konnte man den weiteren Verlauf der Tour zum ersten Mal sehen. Eine gute Spur war deutlich erkennbar. Am Gipfel selbst gab es die üblichen Fotos, einen Schluck zu trinken und einen kurzen Snack. Von der Zeit waren wir perfekt aufgestellt für die Traverse, wollten aber keine unnötige Zeit verschwenden. So haben wir unser Seil umgebaut und sind in Zweierseilschaft weitergelaufen. Der Weg führt erst über den Schnee runter, bevor man im Gegenanstieg zum nächsten Gipfel läuft. Technisch war das ganze Aufgrund der guten Spur und des vielen Schnees nicht schwer. Am zweiten Gipfel und 4000er angekommen gab es wieder eine kurze Fotopause, bevor wir am Schneegrat weitergelaufen sind. Hier wurde der Weg schmaler und steiler. Die Steigeisen und der Eispickel haben aber guten Halt geboten, jedoch nicht zu unterschätzen, da hier einige Stellen blank waren. Nach einem steilen Abstieg war man vom Grat runter und auf einer fast geraden Fläche, wo es Richtung des dritten Gipfels ging. Weiter der Spur folgend konten wir auch den letzten Teil sehr schnell bewältigen.

 

Kommen wir zur Abseilstelle?

Der dritte Gipfel der Grand Combin Traverse war ein wenig enttäuschend. Man nimmt ihn selbst gar nicht so direkt war, weil er nicht markant ist. Der Berg ist flach und der Weg bis dahin war kein Problem. Am Gipfel angekommen, wurde man mit dem Blick auf die anderen Gipfel belohnt. Das Bergmassiv sah von dort beeindruckend aus. Es ist immer wieder schön zusehen, was man schon alles geschafft hat. Gerade deshalb ist es auch wichtig bei langen Touren, seine Konzentration weiter aufrecht zu halten. Vom Gipfel ging es über einen Schneegrat weiter zu der Abseilpiste. Der Schnee war fest und man konnte ohne Probleme gehen. Die Probleme kamen am Felsen. Über einen Felsgrat, der mit leichtem Schnee bedeckt war, sollte es schließlich weiter gehen. An sich eine blöde Situation. Am Grat konnte man nicht sichern. Es gab keine Möglichkeit. Aufgrund der Stein-Schnee Kombination war der Weg sehr rutschig. Nach kurzem Probieren haben wir uns entschieden umzudrehen und den Weg der anderen Bergsteiger vom Vortag als Abstieg nutzen.

 

Rückweg durch den Gletscherbruch

Der Weg der Bergsteiger vom Vortag ging nicht zurück zum ersten Gipfel des Grand Combin, sondern über einen Gletscherbruch und über den Gletscher wieder zurück Col du Metin. Wir waren echt überrascht, dass die Spur auf einmal weg war und wir an einer Kante standen. Die Spur ging so 15 Meter unter uns weiter. Im Eis des Bruchs war noch eine Reepschnur von einer Eissanduhr. Die war aber nicht mehr so fest. Da wir hier hinunter mussten und wir aber auch schnell aus dem Gelände wegwollten, habe ich mich entschieden eine meiner Eisschrauben zu opfern. Darüber haben wir uns abgeseilt und haben so schnell es ging versucht, aus dem steilen Part herauszukommen. Wir wollten vermeiden, dass wir unter einem der Abbrüche stehen, wenn die Sonne zu lange darauf scheint. Du merkst schon, der Weg war nicht ohne Bedenken und auch keineswegs der Beste. Ob ein Zurückgehen zum ersten Gipfel und Abseilen besser gewesen wäre, kann ich nicht einschätzen.

 

Als wir aus dem steilen Part herauswaren, haben wir uns wieder angeseilt und sind weiter gelaufen. Der Schnee war leider dort schon sehr weich, so bin ich als Erster immer wieder eingebrochen. Das eine Mal sogar bis zur Brust. Irgendwie ging es dann doch erst im Flachen weiter, bevor wir über einen weiteren Anstieg wieder Richtung Grat gekommen sind. Über den gleichen Weg wie 10 Stunden zuvor ging es dann Richtung Hütte.

 

An der Hütte haben wir uns erstmal zurückgemeldet, da wir ja eigentlich überschreiten wollten und haben noch etwas getrunken. Ich konnte meine nassen Schuhe und Socken wechseln, bevor es wieder Richtung Tal ging. Im Tal gab es als Belohnung eine große Pizza.

 

Grand Combin – drei 4000er auf einen Streich

Die Grand Combin Traverse bietet viel für einen Bergsteiger. Die Berge sind kaum überlaufen, man muss klettern, und über Gletscher, schmale Grate, Schnee, Fels gehen und Abseilen. Wie beschrieben konnten wir nicht zur Abseilstelle kommen. Dennoch war es eine gigantische Tour mit einem Risiko und Tücken und sollte nie unterschätzt werden. Nach der frustrierten ersten Woche war es auch im Zusammenspiel mit dem Wetter ein absoluter Traum. Ich hoffe dir hat der Bericht gefallen. Mehr dazu auch bald auf YouTube. Bis dann,

 

Jonathan

1 Antwort

  1. 16/08/2021

    […] Tour am Grand Combin war noch in den Knochen und Muskeln und da mussten wir auch schon das Tal wechseln Richtung Dent […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.