Aiguilles du Tour 3541 m – Arête de la Table

Titelbild Aiguilles du Tour - Aiguilles du Tour 3541 m - Arête de la Table

Voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten

Auftakttour Aiguilles du Tour in Frankreich: Seit 2016 war ich nicht mehr in Frankreich unterwegs. Durch einen Beitrag im Bayrischen Rundfunk bin ich auf die Idee gekommen, die Traversee Royale zu machen. Um perfekt vorbereitet zu sein, wollten Max und ich eine Aufwärmtour auf die Aiguille du Tour machen. Nicht über den Normalweg, sondern die Klettervariante über den Tisch. Die Tour hat zwei Vorteile. Erstens wird sie kaum begangen im Vergleich zum Normalweg und zweitens konnten Max und ich uns so besser kennenlernen.

 

Start in Günzburg

Wie immer bin ich aus Bremen zu meinen Eltern angereist und durfte dort wieder ihr Auto übernehmen. Max, den ich über Instagram kennengelernt habe, kam auch nach Günzburg und so konnten wir gemeinsam nach Frankreich reisen. Es ist immer wieder ein Wagnis mit jemanden komplett Unbekannten auf Tour zu gehen, aber es hat sich gelohnt.

 

In Frankreich angekommen haben wir unsere Ausrüstung gepackt. Neben der normalen Hochtourenausrüstung habe ich noch 4 Friends, ein paar Schlingen und Expressen mitgenommen. Als Seil hatten wir ein 50m Einfachseil dabei. Ein kürzeres hätte es für die Tour auch getan.

 

Aufstieg zur Refuge Albert 1er

Erst mit der Seilbahn und dann mit dem Sessellift haben wir den Großteil des Aufstieges zur Refuge Albert 1er hinter uns gebracht. Ich bin ehrlich. Wenn es die Möglichkeit gibt mit einem Lift einen Hüttenzustieg oder -abstieg abzukürzen würde ich es immer machen. Besonders im Abstieg. Vom Sessellift los sind wir bei trüben Wetter Richtung Hütte gelaufen. Der Weg an sich ist für Bergsteiger mit Tourenerfahrung kein Problem und ist auch häufig begannen. Gerade rechtzeitig vor dem Regen sind wir in der Hütte angekommen. Diese ist sehr modern und nett. Leider gab es aufgrund von Corona keine Decken und Schuhe. Wir hatten das nicht gelesen und waren so etwas unkomfortabler dort untergebracht. Zum Glück sollte dies die einzige Hütte mit diesen strengen Coronaregeln in unserem Urlaub bleiben.

 

Daten zur Tour – Aiguilles du Tour

  • Schwierigkeit: ZS (ziemlich schwierig); Kletterstellen bis 4a
  • Aufstieg: 4:30-5:00 Stunden
  • Aufstieg: 860Hm
  • Abstieg: Normalweg
  • Start der Tour: Refuge Albert 1er
  • Ziel: Cabane de Trient

 

Start am Morgen

Da es die erste Tour war und wir auch zeitlich nicht im Stress waren, wollten wir ganz gemütlich starten. So sind wir um 5 Uhr von der Hütte losgegangen. Am Anfang im Felsen den Steinmänner folgend, um später auf den Gletscher zu kommen. Hier ging es noch über den Normalweg hoch. Im ersten Teil kann man sich auch schnell ein wenig verlaufen. Es gibt zwei Möglichkeiten, um auf den Gletscher zu kommen. Entweder man bleibt länger oben im Fels oder man geht schon früher hinunter auf den Gletscher. Empfehlen kann ich die erste Variante. Hier betritt man circa bei 2800m den Gletscher. Über die Spur des Normalwegs ging es schnell voran und während alle der Spur weiter gefolgt sind, sind bei circa 3100m zur Südflanke der Aiguilles de Tour und zum Einstieg über das Couloir gelangt.

 

Einstieg zum Klettern – gleich falsch

Bei der Tour ist eins wichtig und das ist der Helm. Besonders wenn Leute vor euch sind. Im Aufstieg durch das Couloir können Steine leicht herunterfliegen. Der Aufstieg im Couloir ist besonders von der Eisquälität abhängig. Diese war okay, nicht gut, aber es ging noch. So sind wir gut hochgekommen und in den Felsen eingestiegen. Wir müssen aber etwas zu tief schon in den Felsen gegangen sein, da der Start hier echt schwer war. Normalerweise sollte es dort Klettern im zweiten Grat sein, bei uns eher fünfter (geschätzt). Zum Glück sind wir hier (und vor allem Max im Vorstieg) aber gut herausgekommen und haben den richtigen Weg wieder gefunden. Besonders hier im ersten Part waren viele lose Steine, die man leicht lostreten konnte. Gut, dass sonst niemand in dem Gelände unterwegs war.

 

Die große Kletterkunst für die Aiguilles du Tour aus der Sächsischen Schweiz 

Max hatte große Lust den Felspart vorzusteigen und so konnte ich die Kletterei als Nachsteiger genießen. Nachdem Max die Ausrüstung genommen hatte, ging es schnell weiter. Die Friends hätte man gut einsetzen können, aber da Max das Klettern in der Sächsischen Schweiz gelernt hatte, hat er eher auf Schlingen gesetzt. Immer wieder witzig zu sehen, wie so etwas einen prägt. An der ein oder anderen Stelle waren die Friends aber sehr nützlich. Die Tour wechselte sich von der Schwierigkeit ab, war aber meistens im dritten Grat mit Varianten bis zum 5 Grat, die wir aber umgangen sind. Und so sind wir am laufenden Seil und an Seillänge für Seillänge immer weiter voran gekommen und waren dann auch endlich in die Sonne. Im Schatten des Couloir war es doch frisch. Kurz vor dem Tisch angekommen, haben wir gewechselt, da ich diese Stelle unbedingt als Erster machen wollte. Besonders musste man beim Klettern darauf achten, ob der Griff/Tritt auch wirklich hält. Hier waren doch mehr lose Steine, als es auf den ersten Blick wirkte.

 

Der Tisch – 10 Minuten Überwindung

Das wirkliche Highlight der Tour ist der Tisch. Ein große Felsplatte gestützt von einer Säule. Von weitem kann man das erkennen. Um auf den Tisch zu kommen, muss man sich von einem Felsen auf die „Tischplatte“ hochstützen (Schwierigkeit 4). Wenn man dann davor steht, wirkt das nicht mehr so einfach. Man steht zwar höher, sodass bei mir die Kante der Tischplatte auf Brusthöhe war, dennoch wirkt der Sprung und das Stützen so weit weg. Ich stand 10 Minuten dort, bevor ich mich getraut habe mich auf den Tisch hoch zu stützen. Alle möglichen Szenarien gingen mir dabei durch den Kopf. Durch meine Atmung habe ich mich dann selbst zur Ruhe gebracht und konnte dann hochspringen. Im Tal würde man sich über die Bewegung keinerlei Gedanken machen. Aber hier oben ist es doch immer anders.

Der Sprung ging super gut. Die Erleichterung und der Stolz waren da. Von oben habe ich Max nachgesichert und so konnten wir eine gemütliche Pause machen und die Aussicht genießen.

 

Nach dem Tisch geht es über eine Kletterei im dritten Grad weiter hoch. Max wollte weiter vorsteigen und so konnte ich wieder entspannt nachsteigen. Nach der kurzen Kletterei nach oben ging es dann auf den laut Beschreibung „amüsanten Grat“. Hier war man maximal ausgesetzt. Man ist immer an der Kante geklettert. 2016 fand ich diese Stelle ganz schlimm. Dieses Jahr ging es super gut. Ich habe gemerkt, dass die Erfahrung mit solchen Situationen mich viel weniger stresst als noch vor ein paar Jahren. Am Ende des Grates ging es über eine Abseilstelle 5 Meter hinunter, bevor es ans Ende der Kletterei ging.

 

Nur noch 15 Minuten zur Aiguilles du Tour

Laut Führer sollte es nur noch 15 Minuten von der Abseilstelle zum Gipfel der Aiguilles du Tour sein. Zudem die Kletterei im 2-3 Grat. Im Führer sah es auch so aus als wäre es viel Gehgelände. Eins vorweg – das war überhaupt nicht so. Es ging immer noch kletternd weiter. Der Weg an sich war aber relativ klar, da es nur einen Grat zum Gipfel gab. Warum der Führer hier nicht mehr so genau war, ist mir ein Rätsel und hat uns doch ein wenig durcheinander gemacht. Die Kletterei war weiterhin schön. Das Absichern hier im letzten Part ging am besten mit Schlingen.

 

Große Freunde – gigantischer Ausblick

Nach den sehr langen 15 Minuten (1 Stunde) sind wir dann endlich am Gipfel angekommen. Die Aussicht von dem Gipfel ist einfach genial und eine tolle Belohnung für eine wunderschöne Tour. Für mich war es bereits das zweite Mal und beide Touren bei guten Bedingungen. Natürlich haben wir die obligatorischen Bilder gemacht. Das Ziel für den Abstieg war auch schon im Blick.

 

Entspannter Weg zur Hütte

Der Abstieg erfolgt über den Normalweg. Am Anfang noch im Felsen. Kraxeln zweiter Schwierigkeitsgrad. Die Wegfindung ist einfach und logisch auch aufgrund der vielen Spuren. Nach dem kurzen Part im Felsen geht es auf den Gletscher. Seil wieder ran und auf der Autobahn ähnlichen Spur ging es dann zur Trient Hütte. Die Hütte liegt in der Schweiz, sodass wir neben den ganzen anderen Highlights auch noch einen Grenzwechsel hatten. Die Trienthütte ist super schön und toll organisiert. Das Essen war der perfekte Abschluss. Eine rundum gelungene Tour. Die Tour richtet sich an alle Bergsteiger, die nicht den überlaufenen Normalweg machen wollen und sich sehr sicher im Fels bewegen und keine Angst vor ausgesetzten Felsen haben.

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