Aletschhorn – Erster 4000er 2021

Aletschhorn - Bergsteigen im Berner Oberland

Voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten

Nach der doch eher frustrierenden ersten Woche war die Motivation für den ersten 4000er in der zweiten Woche umso höher. Ich wollte zusammen mit meinem Kletterpartner Steffan aus Bremen eine Woche im Berner Oberland verbringen, um das Aletschhorn, Gross Grünhorn und das Finsteraahorn zu besteigen. Starten wollten wir mit dem Akklimatisieren an der Oberaletschhütte, bevor es am zweiten Tag aufs Aletschhorn gehen sollte.

 

Das Wetter?! – Schon wieder muss der Plan geändert werden

Am Samstag früh (10.07) habe ich Steffan in Brig abgeholt. Mit dem Blick auf den Wetterbericht war schon vor der Tourenwoche klar, dass wie diese nicht so durchführen können. Mit dem Auto sind wir Richtung Belalp gefahren, um anschließend mit der Seilbahn hochzufahren. Von hier braucht man nach Ausschilderung circa 4:50 Stunden bis zur Oberaletschhütte. Also nicht gerade um die Ecke.

 

Auf zur Hütte – der neue Plan

Während wir zur Hütte gelaufen sind über einen schönen Wanderweg, haben wir bereits entschieden alles auf eine Karte zu setzen und bereits am Sonntag auf das Aletschhorn zu gehen. Hintergrund war das Wetter. Für Sonntag noch richtig gut gemeldet und immer schlechter werdend für die kommenden Tage. Der Weg zur Hütte zieht sich dann doch. Es geht immer mal wieder hoch und runter. Währenddessen kann man immer wieder Blicke auf die schmelzenden Gletscher werfen, das teilweise mehr einer Steinlandschaft gleicht, als einer imposanten Schneelandschaft. Nach circa 4 Stunden sind wir dann auf der Hütte auf 2640m angekommen. Allein schon bei der Höhe der Hütte wird klar, wie lang die Tour auf das Aletschhorn werden kann.

 

Infos am Abend

An der Hütte angekommen konnten wir noch mit zwei anderen Bergsteigern sprechen, die an diesem Tag das Aletschhorn besteigen wollten. Aufgrund des weichen Schnees sind sie aber am Gletscher oben umgedreht, weil sie permanent eingesunken sind. Das bedeutete für uns, dass die Spur irgendwann auf jeden Fall aufhören muss. Am Abend war schnell klar, dass außer uns nur noch zwei andere Bergsteiger das Aletschhorn probieren wollen. Nach dem Abendessen haben wir von der Hüttenwirtin noch alle Infos zur Tour und zum Weg bekommen. Das war die ausführlichste Beschreibung, die ich bisher auf einer Hütte bekommen haben. Wirklich gut. Ein wichtiger Hinweis. Man hat weder an der Hütte noch zum Großteil während der Tour Netz. Bitte beachtet das während der Planung.

 

Daten zur Tour (Normalweg)

  • Aletschhorn 4193m
  • Bewertung: ZS
  • Kletterstellen: bis 2a
  • Dauer: 6-8 Stunden 1700hm hoch; 5-6 Stunden zurück
  • Abstieg über den gleichen Weg

 

Unsere Ausrüstung

Als Ausrüstung hatten wir unsere normale Hochtouren– und Hüttenausrüstung dabei. Besonders wichtig für uns waren ein paar mehr Karabiner und der TIBLOC (Behelfsseilklemme) für den letzten Aufschwung zum Gipfel.

 

Start in der Nacht

Wie immer bei solch langen Touren ist der Start immer früh. Normalerweise ist das Frühstück um 1:30Uhr. Wir haben uns aber entschieden schon um 0:30 Uhr zu frühstücken. Nach einer kurzen Nacht klingelte dann der Wecker. Wie fast vor jeder Tour habe ich nichts gefrühstückt und so konnte Steffan auch meinen Käse mitessen. Nach dem Auffüllen der Thermoskanne ging es dann los.

Von der Hütte führt ein Weg direkt hinunter auf den Gletscher. Hierzu überwindet man 150hm mittels Leitern und Wege, bis man schließlich unten angekommen ist. Ab hier führt der Weg erstmal ein wenig über den Gletscher. Stangen mit Reflektoren weisen einem im Dunkeln den Weg. Der Gletscher kann aufgrund des vielen Schutts auch ohne Anseilen in diesem Bereich begangen werden.  Im Schein der Lampen war der Weg sehr gut sichtbar und es kam nichts Unerwartetes. Am Anfang hat es noch ein wenig geregnet. Nach 1 Stunde ließ der Regen jedoch nach.

 

Auf die Moräne hoch Richtung oberen Gletscher

Nach dem Gletscher ging es hoch auf die Moräne. Diese besteht nur aus Schutt. Eine Eisenkette hilft den Part zu bewältigen. Ich konnte mit Hilfe der Kette gut hochkommen. Ohne wäre es nur schwer möglich. Auch hier waren immer wieder Reflektoren, die den Weg deutlich gemacht haben. Anschließend ging es über eine Art „Weg“ weiter. Teilweise musste man ein wenig kraxeln. Im Dunkeln war die Wegfindung aber nicht immer eindeutig. Über den Felsen sind wir schließlich auf einen Fels- und Blockgrat gekommen. Da es in der Nacht ein wenig geschneit hatte, war der Fels in weiß gehüllt. Aber das machte kein Problem und man konnte gut über den Felsen nach oben steigen. Teilweise musste man Schneefelder kreuzen. Da der Schnee echt weich war, waren Steigeisen nicht notwendig. So konnten wir immer noch normal weiter aufsteigen. Der Part kam mir echt zäh vor. Wir waren schon einige Stunden unterwegs, hatten aber noch nicht viele Höhenmeter gemacht. Zudem war es recht windig. Besser ging es mir erst als es hell wurde. Das war auch gut, weil dann so langsam die richtigen Höhenmeter kamen. Wirklich im Nachhinein betrachtet war dies der nervigste Part der Tour.

 

Jetzt wird’s instabil

Am Gletscher angekommen haben wir uns angeseilt. 15 Meter Abstand mit 3 Bremsknoten im mittleren Bereich des Seils. Zudem hatte jeder von uns noch ein weiteres Seil in seinem Rucksack für den Fall der Fälle. Hier begann der Part, der wirklich zäh wurde. Normalerweise kommt man über den Gletscher sicher gut und schnell voran. Leider war es die Tage zuvor nie wirklich kalt und der Schnee war echt weich. So weich, dass wir im unregelmäßigen Abstand immer tief eingesunken sind. Phasenweise bei jedem Schritt. Aus diesem Grund sind wir hier nur sehr schleppend vorangekommen.

 

Um teilweise schneller voranzukommen sind wir auf allen vieren unterwegs gewesen. Sieht komisch aus und entspricht auch sicher nicht der Lehrmeinung, hatte aber auch teilweise Erfolg. Nach dem letzten Aufschwung sind wir wieder auf einer Felspassage gelandet. Hier konnten wir das Seil abnehmen und schon waren wir vor dem letzten Aufschwung.

 

Der letzte Aufschwung – Sicherung durch Stangen

Der letzte Aufschwung zum Aletschhorn sieht schon von weitem beeindruckend aus. Sicherungsstangen sollen die Möglichkeit bieten hier zu sichern. Sie befinden sich im Abstand von bis zu 35 Metern. Gut, dass wir ein 50m Seil dabeihaben. Um schneller voran zukommen haben wir uns entschlossen immer mehrere Stangen auf einmal zu nehmen. Der Vorsteigende hat 2 Tiblocs bekommen und ein paar Karabiner und ist so lange vorgestiegen, bis das Material aus war. Der andere ist nachgestiegen, sobald das Seil aus war. In der Zeit dazwischen sind wir am laufenden Seil unterwegs gewesen. Als das Material aus war, haben wir den Nachsteiger gesichert, bis beide wieder an der gleichen Stelle waren. So ging es langsam, aber stetig zum Gipfel. Einige Passagen waren dabei sehr steil (ich schätze 50 – 60 Grad). Schön war, als wir zum ersten Mal aus dem Schatten in die Sonne gekommen sind. 2 Stangen vor Ende habe ich dann das Gipfelkreuz gesehen. Ein unbeschreiblicher Moment. Die letzten Meter zum Gipfel sind doch immer wieder die schönsten.

 

Am Gipfel angekommen konnten wir ein geniales Panorama genießen. Wir hatten Ausblick über das komplette Berner Oberland bis zum Wallis. Leider war der Wind immer noch stark, sodass wir nicht lange bleiben konnten und den Abstieg in Angriff genommen haben.

 

Der lange Weg zurück

Der lange Weg hoch aufs Aletschhorn, war natürlich hinunter nicht gerade kürzer. Im oberen Part habe ich Steffan von den Stangen abgeseilt und bin selbst abgestiegen und wurde dabei von den unten liegenden Stangen gesichert. Das hat seine Zeit gedauert. Anschließend auf dem Gletscher war der Schnee noch weicher was zur Folge hatte, dass wir bis zur Hüfte eingebrochen sind. Auch unsere Spur vom Hinweg war teilweise nicht mehr brauchbar. So war der Abstieg eine Mischung aus Rutschen, Gehen, Fluchen und nicht mehr Vorankommen. Das hat echt viel Kraft gekostet und vor allem auch Zeit. Ich war froh als wir aus dem Teil endlich heraus waren.

Der Vorteil im Blockgelände war, dass der Schnee mittlerweile geschmolzen war und man gut darüber absteigen konnte. Die Wegfindung war deutlich leichter als im Aufstieg. Es gab echt viele Steinmänner, welche man im Dunkeln gar nicht gesehen hat.

An der Schuttmoräne angekommen haben wir uns entschieden uns abzuseilen, um auf den Gletscher zu kommen. Über den Gletscher ging es zurück Richtung Hütte und über die Leitern hoch. Der Part war nochmal so unglaublich lang und auch echt anstrengend. Für diese Tour muss man echt top fit sein, sonst wird es gefährlich.

 

Aletschhorn – Anfang und auch Abschluss der Tourenwochen

Nach der Tour haben wir nochmal in der Hütte übernachtet und sind am nächsten Tag ins Tal abgestiegen. Leider war die Wettervorhersage zu schlecht für unsere Touren, sodass wir unsere Tourenwoche hier schon abgebrochen haben. Dieses Jahr sollte es bisher noch nicht so richtig sein.

Ich bin froh, dass wir die Tour gemacht haben und ich einen weiteren 4000er geschafft habe. Dieser hat konditionell wirklich alles abverlangt und ist nur etwas für Erfahrene. Ich hoffe dir hat der Einblick gefallen. Bis dann,

Jonathan

2 Antworten

  1. Leo Locher sagt:

    Aletschhorn – ich erinnere mich an eine wunderschöne Tour vor etwa 40 Jahren

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