7 Schritte der Tourenplanung

Bergsteiger auf Gletscher. Die Belohnung für die 7 Schritte der Planung

Eigentlich sollte heute ein anderer Artikel online kommen. Aber da es letzte Woche rund um die Tourenplanung ging und besonders um die Grobauswahl, möchte ich das Thema heute noch näher beleuchten. Ich selbst plane aktuell auch meine Touren und ich will euch dabei mitnehmen. Aus diesem Grund schauen wir uns heute die 7 Schritte der Tourenplanung an und gehen diese gemeinsam an meinem Beispiel durch. Mein Beispiel wird wieder eine Hochtour sein, aber auch deine anderen Bergunternehmungen kannst du danach durchführen.

 

Kurzer Rückblick – Was haben wir bisher gemacht?

Im letzten Artikel haben wir die drei Wege der Auswahl der Touren nach Geld, Zeit und Fähigkeiten kennengelernt. Ich suche meine Touren heute nach der Zeit und den Fähigkeiten aus. Aber auch das Thema Geld werde ich für diese Tour heute mit beleuchten. Es soll heute im ersten Schritt um eine konkrete Tour gehen, bevor wir in einem der nächsten Artikel eine ganze Woche planen.

 

In 7 Schritten zum Gipfelerfolg?

Eine gute Planung ist entscheidend für deinen Erfolg am Berg. Es garantiert ihn dir nicht, bringt dich aber in die Lage sicher, zu entscheiden. Die 7 Schritte sind wie folgt:

  1. Tourenauswahl
  2. Informationen sammeln
  3. Routenverlauf festlegen
  4. Schlüsselstellen
  5. Varianten und Entscheidungspunkte
  6. Touren- und Zeitplan
  7. Kontrolle

 

1. Schritt: Tourenauswahl

Die Tourenauswahl mache ich anhand meines Zieles (alle 82 4000er der Alpen besteigen) und meinen aktuellen Fähigkeiten fest (Hochtouren bis einschließend Bewertung D). Anschließend schaue ich mir die verschiedenen Gebiete an. Offene 4000er habe ich unter anderem im Berner Oberland, Wallis, Mont Blanc Gegend und ein paar mehr. Da mir die wenigsten Berge im Berner Oberland fehlen mache ich zuerst eine Übersicht zu den fehlenden Bergen. Dazu zählen:

  • Aletschhorn (4193m)
  • Gross Grünhorn (4044m)
  • Schreckhorn (4078m)
  • Lauteraarhorn (4042m)

Starten werde ich in diesem Artikel mit dem Aletschhorn.

 

2. Schritt: Informationen sammeln – den Berg kennenlernen

Hier suchst du alle Informationen zu der Tour allgemein zusammen. Dazu zählen

  • Route/Routen
  • Schwierigkeit
  • Ausrüstung
  • Dauer
  • Anreise
  • Ausgangsort

Ich nutze für die Recherche immer verschiedene Quellen. Dazu gehören Tourenführer (Bücher), Tourenbeschreibungen im Internet (SAC Tourenportal, Alpenverein aktiv, Outdooraktive) und die Seite der Hütte.

Folgende Informationen habe ich mir zu der Tour herausgeschrieben. Ebenso verlinke ich die Internetseiten und Buchseiten, sodass ich kurz vor der Tour nochmal alle relevanten Informationen gegenchecken kann.

 

Berg: Aletschhorn (4193m) (Überschreitung)

Ort: Start Oberaletschhütte 

Anreise: Zustieg zur Hütte von der Bergstation Belalp (4-5 Stunden)

Anreise zur Bergstation (425km Anreise von meinen Eltern)

Routen:

    • SSE- Grat – Abstieg SW-Grat (Normalroute) (Buch Berner Alpen Topo Verlag S.158)
    • Normalweg 

Ausrüstung:

    • Hochtourenausrüstung inklusive Hüttenausrüstung

Fakten Tour:   

    • 1700Hm hoch/runter
    • Dauer: Hoch 7-9 Stunden; Runter 4-5 Stunden
    • Bewertung: ZS/3a, 45°

Tourenschritte:

    • Oberaletschhütte – Gletscher
    • Gletscher – P3396
    • P3396 – SSE Grat
    • SSE Grat – Aletschhorn
    • Aletschhorn – P3396
    • P3396 -Gletscher
    • Gletscher – Oberaletschhütte

Schwierigkeiten: 45° steile Rinne – gute Verhältnisse wichtig; Platten bei Vereisung heikel

Alternativ: Normalweg

Kurz vor der Tour kannst du noch die aktuellen Verhältnisse und Bedingungen zu deiner Tour ergänzen.

 

3. Schritt: Routenverlauf festlegen

Hier legst du deine Route fest. Ich würde im ersten Schritt mit der Überschreitung WNW-Grat- Abstieg Normalroute planen. Hierfür suche ich mir die passende Karte und zeichne mir die Route ein. Im nächsten Schritt suche ich mir den passenden GPX Track. Falls es keinen gibt, kann man ihn auch immer grob selbst erstellen. Ich rate dir auch immer trotz GPS eine Karte dabei zu haben. In diesem Schritt solltest du dann auch die Tourenschritte aus dem zweiten Punkt genauer beschreiben. Die genaue Tourenbeschreibung habe ich hier nicht ergänzt, da ich mir nicht sicher bin, ob ich das teilen kann. Die Tourenschritte solltest du auf jeden Fall noch näher beschreiben und auf der Karte für dich nachvollziehen.

 

4. Schritt – Schlüsselstellen festlegen – wo musst du was bedenken

Im 4 Schritt werden die Schlüsselstellen der Route festgelegt. Hier gehst du die Route Schritt für Schritt durch. Es geht hier darum festzustellen, ob eine bestimmte Passage nur bei gewissen Bedingungen möglich ist. Das müssen wir notieren und dann vor der Passage mit den Echtbedingungen vergleichen.

 

Schlüsselstellen einer Tour können sowohl schwere Passagen wie auch Gefahren sein. Dazu zählen:

  • Absturzgefahr
  • Lawinengefahr
  • Gletscherspalten
  • Orientierung bei schlechtem Wetter
  • Technische Schwierigkeiten (Klettern etc.)

 

Schon bei der Recherche zur Tour wurde eine Stelle als Schwierigkeit ausgemacht. Die Rinne im Zustieg zum Grat! Außerdem ist der Weg über die Normalroute im Abstieg bei schlechtem Wetter nicht leicht zu finden.

 

5.Schritt: Varianten und Entscheidungspunkte

In diesem Punkt geht man die “was wäre, wenn” Situationen durch. Was macht man, wenn die Bedingungen schlechter sind, ein Teilnehmer überfordert ist oder Schlüsselstellen anders sind, wie erwartet. Hier ist es wichtig sich schon vorher Gedanken zu machen. Das dümmste wäre, stumpf an seinem Plan festzuhalten, obwohl alles dagegenspricht.

 

Im konkreten Beispiel des Aletschhorns ist es erstmal wichtig, dass alle vernünftig akklimatisiert sind. Es handelt sich um einen 4000er. Besonders, wenn man wie ich aus Bremen (quasi 0Hm) kommt, muss man darauf besonders achten. Sonst fühlt man sich bei der Tour nicht fit.

Der zweite Fall ist, dass die Rinne auf den Grat nicht geeignet ist, hier könnte man umdrehen und über den Normalweg aufsteigen.

 

Ist die Sicht am Gipfel schlecht und eine Orientierung nicht möglich sollte man umdrehen. Der schlimmste Fall ist, dass man sich versteigt und nicht mehr auf den richtigen Weg kommt.

Generell solltest du vorher genau nach den aktuellen Bedingungen auf der Hütte fragen und mit anderen Bergsteigern dich austauschen. Aus diesem Grund solltest du deinen Plan dabeihaben und dir diesen vor der Tour anschauen und nach den neuesten Informationen anpassen.

 

Schritt 6: Touren und Zeitplanung

Hier stellst du dir die Fragen:

  • Wann starte ich?
  • Wie lange dauert die Tour?
  • Wie sieht es mit Pausen aus?
  • Habe ich Zeitreserven?

 

Die Frage zum Startzeitpunkt kläre ich immer an der Hütte. Je nach Jahreszeit kann es etwas schwanken. Die Dauer der Tour kann man sich über die grobe Faustformel ausrechnen oder man nimmt die Angaben aus dem Führer. Hier nehme ich immer die langsamste Zeit, um den Rahmen festzulegen. Beim Thema Pause rechne ich immer mit ca. 15min bis jeder etwas getrunken und gegessen hat.

Wichtig in diesem Schritt ist auch die Anzahl der Teilnehmer und die Aufteilung des Materials. Ich bespreche die Touren immer vorab mit meinem Tourenpartner durch, um an diesen Punkten vorbeizukommen.

 

Schritt 7: Kontrolle

Im Schritt 7 geht man alle Schritte nochmal durch. Ich schreibe mir dann alle Informationen in eine Notiz und ergänze sie immer mit den neuesten Erkenntnissen und Informationen, die ich habe. Abschließen hake ich für mich folgende 7 Punkte ab:

  • Der Routenverlauf ist klar
  • Ich betrete keine unerlaubten Zonen (Naturschutz)
  • Ich kenne die Schlüsselstellen und habe eine Taktik dafür
  • Wir haben Alternativen, falls die Realbedingungen anders als erwartet sind
  • Mein Tourenplan ist realistisch (Zeit, Schwierigkeit, Können, Ausrüstung)
  • Ich habe die ganze Tour auf Schwachstellen abgeklopft
  • Die Leitung der Gruppe ist klar geregelt und alle haben die Informationen

 

Wird der Aufwand belohnt?

Du siehst es gehört viel zu der Tourenplanung. Aber sie ist entscheidend für deinen Erfolg am Berg. Wenn du sorgsam alle Schritte durchgehst, kann dich am Berg nicht mehr viel überraschen. Ob der Aufwand belohnt wird, ist am Ende auch immer ein bisschen Glück. Je schwerer die Routen werden, umso wichtiger ist die genaue Planung. Aus diesem Grund rate ich dir schon heute mit einer genauen Planung anzufangen, egal welche Schwierigkeit der Berg hat, um einfach Übung zu bekommen. Falls du noch Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben. Bis dann,

Jonathan

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