Tourenbericht Lenzspitze – Nadelhorn

Titelbild Lenzspitze - Tourenbericht Lenzspitze – Nadelhorn

Ausgeruht sein, dass ist extrem wichtig vor langen und schweren Bergtouren. Nach der Tour aufs Strahlhorn waren wir aufgrund der kurzen Nacht und der langen Tour doch etwas platt, deswegen haben wir eine Nacht in Saas Fee übernachtet. Unser nächstes Ziel sollte die Lenzspitze mit Überschreitung zum Nadelhorn sein. Wir hatten bei der Reservierung der Hütte Glück, dass wir noch einen Platz bekommen haben. Denn ein paar Tage vorher war die Hütte voll belegt. Der Plan war zur Hütte aufzusteigen, dort zu übernachten und am nächsten Tag auf die Lenzspitze zu gehen. Nach der Tour wollten wir nochmals auf der Hütte übernachten und erst am darauffolgenden Tag wieder ins Tal absteigen.

 

Da wir im Saas Tal übernachtet haben, konnten wir mit der Saas Card umsonst den Lift zur Station Harnig nutzen. So haben wir uns eine Stunde Wegzeit zur Michablehütte gespart, aber es lohnt sich aus meiner Sicht nicht, vor allem wenn man für die Fahrt bezahlen muss. Erst über einen Wanderweg und später über einen Alpinwanderweg geht es Richtung Hütte. Die Mischablehütte steht auf 3340m mitten auf einem Felsgrat und ist schon ziemlich lange zu sehen. Irgendwann wechselt der Weg von einem noch relativ normalen Weg auf den Felsgrat. Dieser ist deutlich gekennzeichnet und mit Eisentritte und Stahlseile ausgestattet. Nach etwa 3 Stunden waren wir schließlich an der Hütte und konnten einen tollen Ausblick ins Tal und auf die Tour am nächsten morgen werfen.

 

 

Früher Start in den Tag

Start für die Tour auf die Lenzspitze mit Abstieg über das Nadelhorn war um 3 Uhr. Den Wecker haben wir ganz entspannt auf 2:55 Uhr gestellt. Nach einem kurzen Frühstück, für mich gab es wie fast immer nur Tee, ging es für uns gegen 3:30 Uhr los.

 

Für die Lenzspitze folgt man permanent dem Felsgrat. Die ersten Meter sind dabei in leichtem Gelände von der Hütte aus im Dunkeln gut machbar. Der Weg ist deutlich durch Steinmänner gekennzeichnet. Vor uns waren schon ein paar Seilschaften, die etwas früher unterwegs waren. Hier kann man zu Beginn gut und schnell Meter machen, bevor die eigentliche Kletterei startet.

 

Anforderungen

  • Höhe: Lenzspitze 4294m; Nadelhorn 4327m
  • Aufstieg: 1070Hm. 5-7 Stunden zur Lenzspitze 
  • Verbindung Lenzspitze-Nadelhorn: 1,5 – 3 Std.
  • Abstieg: 1070 Hm. 1,5-2 Stunden Nadelhorn zur Mischablehütte
  • Schlüsselstelle: Grosser Gendarme
  • Hinweis: Bis zum 1. Steilaufschwung gut im Dunkeln kletterbar
  • Ausrüstung: Felskletterausrüstung/Hochtourenausrüstung

 

Die schönste Gratüberschreitung im Wallis

Die ersten Meter waren gut im Dunkeln zu gehen. Aber wir waren an der ersten Kletterstelle auch noch im Dunkeln. Eventuell kann man gegen Ende der Saison etwas später starten. An den ersten Kletterstellen waren auch einige Bohrhaken und so sind wir mit dem Seil gestartet und haben die ersten Klettermeter hinter uns gebracht. Zu dieser Zeit waren wir alleine, weshalb wir uns auch ein wenig mehr Zeit für die Stellen nehmen konnten. Problematisch war, dass sich das Seil öfter festgehangen hat. Die Kletterstellen an sich waren gut machbar. Später haben wir für die weiteren Klettereien das Seil wieder eingepackt. Wir nutzen das Seil entweder bei schweren Kletterstellen oder bei Stellen, bei denen sich einer unwohl fühlt. Sprecht sowas vorher durch. Für Marcus und mich hat das am besten funktioniert.

 

Der große Gendarme 

Die Schlüsselstelle der Tour: den großen Gendarme erklettert man direkt. Erst über Platten und verschiedene Absätze kommt man schließlich nach oben. Oben angekommen gibt es eine kurze Abseilstelle. Diese haben wir nicht genutzt, sondern sind abgeklettert. Ich würde dir raten die Abseilstelle zu nutzen. Anschließend kommt man über einen horizontalen Grat zum Frühstücksplatz.

Nach dem Frühstücksplatz folgt der letzte Aufstieg. Hier kann man durch eine Verschneidung 3a oder über eine Platte 4 hochklettern. Wir haben uns für die Verschneidung entschieden. Es war eine wunderschöne Kletterei im tollen Felsen. Dennoch musste man auch hier aufpassen, dass man keine losen Steine wegtritt und andere Kletterer somit gefährdet. Anschließend erreicht man ein flaches Gratstück.

Über einen schmalen Firngrat, welcher bei uns schon ausgeapert war, ging es hoch zum Gipfel. Hierfür hatten wir zum ersten Mal während der Tour Steigeisen an. Die letzten Meter zum Gipfel sind relativ steil, aber gut machbar. Über die letzten Felsen ging es dann hoch zum Gipfel.

 

Blick zum Nadelhorn

Nachdem wir am Gipfel der Lenzspitze angekommen waren, konnten wir einen grandiosen Ausblick auf all die großen 4000er im Wallis werfen. Auch das nächste Ziel war deutlich sichtbar. Der komplette Felsgrat bis hin zum Nadelhorn war schneefrei und zeigte sich in seiner vollen Pracht. Ohne Seil sind die ersten Meter bis zur Mitte des Grates relativ einfach. Das Klettern belief sich im 2 und 3 Schwierigkeitsgrat. Man folgt dem Grat fast immer direkt an der Kante. Manchmal kann man einen Aufschwung umgehen. An den Abseilstellen, welche an dem Grat waren, haben wir das Seil genutzt, um hier schnell und sicher runter zu kommen. Über einen letzten Aufschwung kommt man schließlich zum Nadelhorn und steht am zweiten 4000er des Tages. Der Ausblick zurück zur Lenzspitze ist toll. Somit hat man den schwierigsten Teil der Route erstmal hinter sich.

 

Abstieg zur Hütte

Der Abstieg vom Nadelhorn erfolgt über den Normalweg. Da er bei uns gut begangen war, war auch eine gute Spur, der wir einfach folgen konnten. Erst über einen Felsteil ging es über einen Schneegrat runter zum Windjoch. Anschließend haben wir das Seil wieder rausgenommen und sind über den Gletscher abgestiegen. Über den Felsgrat, welchen wir teilweise für den Aufstieg genutzt haben, ging es wieder hinunter zur Hütte. Nach 9:15 Stunden waren wir wieder an der Hütte und haben erstmal ordentlich etwas gegessen. Aufgrund der langen Tour haben wir uns entschieden nochmal auf der Hütte zu übernachten und einen entspannten Abstieg am nächsten Tag zu haben. Definitiv eine vernünftige Entscheidung. Am nächsten Tag ging es dann 1500Hm ins Tal hinab.

 

Lenzspitze – schöne Kletterei für erfahrene Tourengeher

Die Tour auf die Lenzspitze ist eine lange und gewaltige Tour und eine schöne Mischung aus Kletterei und Firngehen. Die Kletterei bewegt sich viel im 3. Schwierigkeitsgrad und man ist oft ausgesetzt. Aus diesem Grund ist das eine Tour, die nur für Fortgeschrittene Bergsteiger geeignet ist. Viel hängt bei der Tour von den Bedingungen ab. Wenn der Grat schneefrei ist, ist die Tour um einiges leichter. Falls Schnee auf dem Grat liegt, erschwert sich die Tour massiv. Plane für die Tour ein gutes Wetterfenster und genügend Zeit ein. Mehr Eindrücke findest du bald auf YouTube. Wenn du noch mehr Fragen zur Tour hast, kannst du dich melden. Bis dann,

Jonathan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.