Seilschaft beim Bergsteigen – deine Partner am Berg

Seilschaft am Weissmies

„Wer gute Freunde hat, braucht hohe Berge nicht zu fürchten“

Unbekannt

Wenn ich in den Bergen auf Tour bin sind meine Seil- und Tourenpartner immer dabei. Hochtouren gehe ich nie alleine. Aus diesem Grund will ich heute nochmal einen Blick auf das Thema Seilschaft bei Bergtouren werfen. Es ist eine Aktualisierung eines älteren Artikels.

 

Was ist eine Seilschaft?

„Der Begriff Seilschaft bezeichnet eine durch ein Seil verbundene gesicherte Gruppe von Personen.“

Das sagt eigentlich schon alles aus was man im Allgemeinen über eine Seilschaft wissen muss per Definition.

 

Wann brauche ich eine Seilschaft?

Die Entscheidung, wann und wo man sich für eine Gletschertour anseilt ist gar nicht so leicht zu beantworten. Auch ich habe hier schon im Nachhinein betrachtet falsche Entscheidungen getroffen. Deshalb möchte ich dir ein paar Faktoren nennen, wie man die Entscheidung trifft.

Die allgemeine Regel für sicher Gletschertouren heißt pauschal erstmal anseilen. Das gilt immer, ob man den Gletscher kennt oder nicht. Auch darf man sich nicht davon in die Irre führen lassen, wenn man meint, dass man alle Spalten sieht und/oder Ihnen ausweichen kann. Eine Gefahr besteht immer.  Vor allem bei Neuschnee und am Anfang der Saison sind die Spalten verdeckt.

Wenn gegen Ende der Saison das Eis blank ist, ist es fast unmöglich einen Sturz zu halten. Das gilt für einen Spaltensturz wie auch für einen Sturz im steilen Gelände. Hier kann es auch notwendig sein mit einer laufendenden Sicherung zu arbeiten. Geht man hier am Seil ohne Zwischensicherung kann es sein, dass man alle Seilpartner mit runter zieht. Aus diesem Grund muss man dann abwägen und schauen welche Gefahr am höchsten ist. Hier wird es dann schwer. Ohne Erfahrung kann man sich    meistens nicht richtig entscheiden. Aus diesem Grund empfehle ich dir immer die Grundkurse und auch ein paar Touren mit Bergführer oder sehr Erfahreneren Bergsteigern. Hier kannst du viel für solche Situationen lernen

 

Seilschaftsgrößen

Die Seilschaftsgröße ist eine komplexe Entscheidung. Bei der Auswahl müssen die nötige Geschwindigkeit und Effizienz, die Erfahrung der Gruppenmitglieder und die äußeren Bedingungen zu deiner Tour passen.

Im Allgemeinen sind kleine Teams koordinierter, effizienter und schneller als große. Auf der anderen Seite können große Teams einen Sturz besser halten und verfügen auch über mehr Leute zur Spaltenbergung. Wie du siehst wird es am Ende auf einen Kompromiss hinauslaufen.

Allgemein kann man sagen, dass für Gletschertouren ohne Kletterpassagen Dreier- und Viererseilschaften ideal sind.  Bist du viel im steilen Gelände unterwegs oder haben deine Touren einen hohen Kletteranteil kann eine kleinere Seilschaft von Vorteil sein.

 

Tipp: Wir haben es schon öfter gemacht, dass wir als Viererseilschaft über den Gletscher gegangen sind und uns beim Klettern in 2 Zweierseilschaften getrennt haben. So hatten wir das Optimale für beide Fälle.

Im Folgenden möchte ich dir den Grundaufbau der verschiedenen Seilschaften erklären.

 

Zweierseilschaft

Bei einer Zweierseilschaft gibt es ein paar Dinge, die wichtig sind. Erstens muss jeder der Seilpartner sich auch selbst aus der Spalte retten können. Zweitens sollten immer Bremsknoten im Seil zwischen euch beiden sein. Und der dritte wichtige Punkt bezieht sich auf den Seilabstand zwischen euch. Der Abstand liegt allgemein zwischen 15-30m. Auch sollten beide Bergsteiger noch Seilreserve im Rucksack haben. Die Bremsknoten zwischen euch sollten im Abstand von 2-3 Meter und im mittleren Seildrittel sein.

 

Dreierseilschaft

Bei einer Dreierseilschaft sollte der Abstand zwischen 10-12 Meter liegen pro Tourenpartner. Im steileren Gelände sind Bremsknoten zu empfehlen. Auch hier sind die Bremsknoten im mittleren Drittel anzubringen.

 

Viererseilschaft

Der Einbindeabstand bei einer Viererseilschaft beträgt 8-10 Meter. Bremsknoten sind hier nicht mehr notwendig. Ein Sturz kann aufgrund der Personenanzahl im Normalfall gehalten werden. Bei einer Fünferseilschaft beträgt der Abstand 8 Meter. Mehr Personen sind nicht zu empfehlen, da es sich negativ auf den Gehrhythmus auswirkt.

 

In 5 Schritten zu deiner Seilschaft

Wenn ich morgens bei Tourenstart weiß, dass ich mich gleich anseilen muss, bereite ich das Seil immer schon in der Hütte im Warmen vor.

Aufbau

  1. Anseilen
  2. Entfernen
  3. Richtiger Abstand
  4. Restseil verstauen
  5. Seildisziplin

Die 5 Schritte habe ich von der Ortovox Safty Acedemy. Dort findet ihr auch Wissen rund um den Bergsport. Ich selbst binde mich über einen Achterknoten meistens in die Seilschaft ein. Auch über einen Schmetterlingsknoten ist das möglich. Wenn du dich nicht direkt einbindest, sondern über einen Karabiner, ist es wichtig, einen Drei-Wege-Karabiner zu nutzen. Das Abmessen des richtigen Abstands mache ich über meine Armlänge. Wichtig ist auch, dass euer Seil in der Mitte eine Markierung hat. Bei einer Dreierseilschaft könnt ihr den Abstand auch mittels der Ziehharmonikatechnik bestimmen. Das Restseil bindet ihr am besten als lose Seilpuppe zusammen und verstaut es in eurem Rucksack. Auch eine Verstauung am Körper ist möglich. Die Technik muss aber erlernt sein.

 

Folgende Tipps sind wichtig

  1. Mach den Partnercheck
  2. Halte dein Seil straff
  3. Knoten erleichtern das Abbremsen
  4. Abstand beim Anseilen


Auch vor dem Losgehen auf dem Gletscher sollte man ähnlich wie beim Klettern immer einen Partnercheck machen. Kontrolliert hier nochmal den Seilabstand zwischen euch, die Knoten, den Gurt und die verstauten Seilenden, wenn vorhanden.

Beim Gehen ist es wichtig, dass das Seil relativ straff ist. Je mehr Schlappseil zwischen euch ist, umso schwerer wird es, einen Sturz abzufangen, da der Partner erstmal die Seillänge in die Spalte fällt, bevor der Ruck kommt.

Nutze wirklich die Bremsknoten. Ich selbst empfehle dir als Bremsknoten den Schmetterlingsknoten, da er einfach zu knüpfen und zu lösen ist.

Gerade wenn ihr euch auf dem Gletscher anseilt, solltest du darauf achten auch hier schon Abstand zu halten, um das Gewicht auf eine größere Fläche zu verteilen.

 

Fazit

Ich selbst bin mittlerweile am Liebsten zu zweit unterwegs. Das hängt vor allem mit dem gestiegenen Schwierigkeitsgrad bei den Touren zusammen. Besonders das Thema Schnelligkeit ist der größte Vorteil. Auf der anderen Seite ist es gerade bei Touren mit einem hohen Kletteranteil auch einfacher zum Absichern. Auf dem Gletscher kann das aber auch Nachteile mit sich bringen. Ein Spaltensturz kann größere Folgen haben. Wäge für dich immer ab, welche Art von Seilschaft für die Tour die größte Sicherheit bringt und gehe so los. Ich hoffe dir hat der Artikel gefallen. Falls du noch mehr Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben. Bis dann,

Jonathan

 

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