Voraussichtliche Lesedauer: 14 Minuten

Nach der Traversee Royale haben Max und ich erstmal Pause gemacht. Die erste Woche hatten wir komplett geplant. Für die zweite Woche hatten wir nichts Konkretes vor. Unsere Überlegungen waren, in Frankreich zu bleiben. Ich habe Dufourspitze und Nordend vorgeschlagen. 2020 wollte ich das schon machen. Dort hat es aber nicht mehr so gepasst. Zudem ist das Wallis einfach mein Lieblingsgebiet und dort fehlten mir zu diesem Zeitpunkt nur noch 4 4000er. Max war einverstanden und so ging es nach dem Reservieren der Hütten Richtung Wallis.

 

Hotel Bergfreund – das zweite Zuhause im Wallis

Ich weiß nicht, wie oft ich es schon erwähnt habe. Natürlich haben wir im Hotel Bergfreund übernachtet. Vor allem das Essen ist jedes Mal ein Genuss. So war es auch dieses Mal wieder. Der zweite große Vorteil ist, dass wir unser Auto dort (kostenlos) stehen lassen konnten und nach Zermatt mit dem Bus gebracht wurden. Es gibt keine billigere Möglichkeit nach Zermatt zu kommen oder ich kenne diese nicht. Nach einem entspannten Frühstück ging es dann für uns Richtung Zermatt.

 

Zermatt und die Bahnen

Da wir keine Eile hatten sind wir erstmal durch Zermatt gelaufen. Ich finde diesen Ort an sich immer noch nicht schön. Chamonix hat aus meiner Sicht deutlich mehr Charme. In Zermatt ist das nicht so. Der Blick aufs Matterhorn ist natürlich beeindruckend, aber es gibt einfach einige Dinge die mich dort stören. Nach der kurzen Ortsbegehung sind wir zur Gornergratbahn gelaufen. Natürlich kann man auch alles zu Fuß gehen, das wollten wir aber nicht. Unsere Faulheit hatte einen stolzen Preis von 108€ pro Person. Die Rückfahrt haben wir gleich mitbezahlt und ist in diesem Preis enthalten. Wer die Preise von solchen Bahnen in der Schweiz nicht kennt wird davon echt umgehauen. Gerade bei seiner Budgetplanung muss man das mit einrechnen. Aber wie gesagt wollten Max und ich nicht alles laufen und so mussten wir es halt bezahlen.

 

Mit dem Zug ging es für uns durch die schöne Landschaft langsam nach oben, bis wir an der Station Rotenboden ausgestiegen sind. Von hier startet der Weg zur Monte Rosa Hütte.

 

Der Umweg zur Hütte

Ich nehme es schon mal vor ab. Der Weg kommt einem wahnsinnig weit vor. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man die Hütte schon von weitem sehen kann. Aufgrund des Rückgang des Gletschers kann man diesen als Zustieg nur noch sehr schwer bzw. gar nicht nutzen. Der neue Hüttenweg macht aus diesem Grund einen sehr langen Bogen.

 

Der erste Teil des Weges führt über einen Wanderweg bergab. Man läuft oberhalb des Gletschers. Die Aussicht auf die Berge im Wallis und für uns besonders die Dufourspitze ist von dort einfach phänomenal und immer ein Genuss. Die Landschaft und der Ausblick ist wirklich ein Highlight des Weges. Zudem sieht man hier oft Murmeltiere.

 

Am „Ende“ des Wanderweges geht auf einen ausgeaperten Gletscher. Der Weg ist mit Stangen markiert. Hier sollte man nur laufen, wenn man schon einmal auf einem Gletscher war. Für uns waren keine Steigeisen notwendig. Die Stangen waren gut sichtbar und auch notwendig, da man einige Spaltenbereiche umgehen musste. Nach dem Gletscher geht es im Felsen weiter. Hier haben Max und ich bei bestem Wetter eine Pause gemacht, bevor es weiter ging.

 

Hier kommt dann auch der Part, der einem so lange vorkommt. Man läuft eine Kurve nach der anderen und kommt gefühlt dem Ziel nicht näher. Das Gelände ist wechselhaft von Felsen, über Blockgelände hinzu Gras, es ist alles da. Wenigstens sehr abwechslungsreich. Einige Gletscherbäche muss man überqueren. Zudem gab es einige Brücken, welche als Aufstiegshilfe installiert worden sind. Zum Glück ist man doch irgendwann an der Hütte.

 

Früher Start in den Tag

Die Hütte selbst ein Highlight. Sie sieht super cool aus und modern. Helles Holz, tolle Zimmer und sogar WLAN. Strom zum Laden seiner Geräte ist ebenfalls vorhanden. Mit einem Kuchen haben wir den Tag auf der Terrasse ausklingen lassen. Nach einem leckeren Abendessen ging es früh ins Bett. Frühstück war um 2:30 für Alle, welche auf die Dufourspitze wollen. Das war die feste Zeit der Hütte. Nach einer kurzen Nacht ging es dann zum Frühstück. Max kann nachts frühstücken, ich habe mir wie fast immer nur ein Tee gegönnt und so ging es dann für uns gegen 3:15 los.

 

Unsere Ausrüstung für Dufourspitze und Nordend

Unsere Ausrüstung für die Dufourspitze war nicht gerade spektakulär. Wichtig für die Tour ist die normale Hochtourenausrüstung. Für die Abseilpiste von der Dufourspitze Richtung Grenzsattel braucht man ein 50m Seil, sonst kann es eng werden. Ansonsten hatten wir nichts Spezielles dabei. Hüttenschlafsack usw. haben wir in der Hütte gelassen. Das sorgt immer für einen leichteren Rucksack.

 

Daten zur Tour

  • Schwierigkeit: PD+
  • Firn bis 40°
  • Fels Stellen 2
  • Stützpunkt: Monte-Rosa-Hütte 2795m
  • Dufourspitze: 4634m; Nordend: 4609m

 

Wegfindung in der Dunkelheit

Aufgrund der frühen Uhrzeit ging es für uns erstmal im Dunkeln los. Im Schein der Lampen sind wir über Felsblockgelände gelaufen. Einen kleinen Vergeher hatten wir hier. Das war aber nicht weiter schlimm. Hätte man vorbeugen können, wenn man sich das Ganze am Tag zuvor bei Helligkeit noch angeschaut hätte. Nachdem es im ersten Teil relativ flach zugegangen ist, kam dann der erste Anstieg im Fels. Eine Mischung aus Weg und großen Felsblöcken. Konnte man aber gut gehen. Nach dem ersten Anstieg ging es auf den Gletscher zu.

 

Laufen und nochmal Laufen

Nach dem Anlegen der Ausrüstung ging es über den Gletscher los. Ich bin vorgelaufen. Max war 15 Meter hinter mir. Zudem hatten wir einige Bremsknoten im Seil, da es auf dem Weg doch viele Spalten gab. Im ersten Teil ging es noch flach durch einen eher ausgearperten Gletscherpart. Hier sind wir auch der ein oder anderen Spalte ausgewichen und mussten diese umgehen. Da wir nicht allein unterwegs waren, war die Wegfindung nicht weiter schwer. Zudem hatte ich das GPS der Dufourspitze auf meiner Uhr. Anschließend ging es dann langsam hoch. Im gleichmäßigen Schritt ging es für uns immer weiter hoch. In der Dunkelheit Höhenmeter zu machen empfinde ich immer als sehr angenehm auf dem Gletscher. Man sieht noch nicht wie weit man hoch muss und läuft einfach.

 

Über den Gletscher zielt man immer weiter auf den Grat hoch zur Dufourspitze. Der interessanteste Part ist der Aufschwung auf den Grat. Dieser war relativ steil und man musste auch schauen, wo es am besten hoch geht aufgrund des Schneeabbruchs. Hier konnte ich zuerst vorgehen und Max ist nachgekommen, nachdem ich schon oben am Grat war.

 

Endlich wird es steil – sichern?

Am Grat angekommen ging es für uns erst noch im Schnee und Firn steiler nach oben. Das Tempo wurde langsamer bei allen. Wir hatten hier den Vorteil der Zweierseilschaft und konnte die größeren Seilschaften überholen. Anschließend ging es über ein Felsblockgelände wieder ein wenig runter.

 

Anschließend kam der finale Aufstieg Richtung Gipfel. Es ist der steilste Part. Der Firn war hart, aber noch kein Blankeis von unten sichtbar. Hier haben sich einige Seilschaften entschieden zu sichern. Einer ist vorgestiegen und hat zur Absicherung Eisschrauben gesetzt. Wir haben uns anders entschieden und sind frei ohne Seil nach oben gestiegen. Ich kann nicht beurteilen, welcher Weg der bessere ist. Für uns ging es aber gut nach oben. Das denke ich sind Entscheidungen, die jeder für sich treffen muss. Eine Empfehlung kann ich dir nicht geben, da es auch immer von den Bedingungen abhängt.

 

Dufourspitze, Gipfelgrat, Wind und Abseilen

Nach dem Steilaufstieg ist man oben am Grat, aber noch nicht ganz am Gipfel der Dufourspitze. Auffällig war, dass der Wind immer weiter zugenommen hat. Sonst war das Wetter echt super. In leichter Kletterei geht es zum Gipfel. Die Kletterstellen bewegen sich im ersten und zweiten Grat. Über einen kurzen Kamin geht es weiter zum Gipfel. Hier gab es sogar ein Fixseil. Anschließend ist man am Gipfel und am schönen Gipfelkreuz. Der Ausblick ist ein echtes Highlight. Alle Berge im Wallis sind zu sehen. Durch den Wind wurde es aber doch frisch und so haben Max und ich schnell entschieden weiterzugehen. Um zum Silbersattel zu kommen, gibt es eine Abseilpiste. Für diese braucht man ein 50meter Seil. Bei uns war doch einiges an Schnee in der Rinne. Die Abseilstände sind aber gut sichtbar von oben. Wir haben uns insgesamt 5-6 abgeseilt. Immer das gleiche Vorgehen. Einer seilt sich zuerst ab und sucht den Stand, macht sich fest und der andere kommt nach. Seil abziehen und dann das Spiel wieder von vorne. Hier im Schatten wurde es dann extrem kalt, da der Wind hochgeblasen hat. Zudem haben über uns sich noch andere abgeseilt und so haben wir noch ein wenig Schnee und Eis von oben abbekommen.

 

Sind wir auf dem Gipfel?

Nach dem Abseilen standen wir unten auf dem Silbersattel. Hier steigt man über den Gletscher wieder zurück zur Monte Rosa Hütte. Wir wollten aber natürlich noch auf das Nordend. Als wir dort waren, war der Wind immer noch extrem stark und es hat immer wieder alles zugenebelt. Nach einer kurzen Pause im Grenzsattel haben wir den Moment genutzt, als die Wolken aufbracheb und sind über den Grat gelaufen. Die Spur war gut und der Firn griffig. An zwei Stellen war Blankeis, welches man gut übersteigen konnte. Der letzte Aufstieg zum Nordend ging über einen Felsen. Klettern im 2. und max. 3. Grad. So waren Max und ich auf dem zweiten 4000er an diesem Tag. Nach einer kurzen Fotopause ging es wieder über den gleichen Weg zurück. Hier sind wir, wie auch beim Hinweg, unangeseilt gelaufen, da wir keine Möglichkeit zum Sichern gesehen haben.

 

Mit dieser Besteigung fehlen mir im Wallis nur noch das Täschhorn und Dent Herens. Es ist schon unglaublich, wenn man sich umblickt und fast jeden Berg schon bestiegen hat.

 

Der lange Weg zurück

Wieder am Silbersattel angekommen ging es über den Gletscher wieder herunter. Auch hier gibt es viele Spalten, sodass wir wieder am langen Seil mit Bremsknoten heruntergelaufen sind. Je weiter wir abgestiegen sind umso wärmer wurde es wieder. Das tat richtig gut. So konnten wir dann das super Wetter und die Landschaft wieder so richtig genießen. Nach einer Pause ging es weiter Richtung Felspart zur Hütte. Hier läuft man den gleichen Weg wieder zurück wie beim Hinweg. Der Weg ist im Hellen doch wieder länger und zieht sich. Ab und zu hatte ich schon Gedanken, dass es gut ist, dass die Tour bald vorbei ist. An der Hütte angekommen gab es eine Kuchenpause. Nachdem wir uns umgezogen hatten, ging es wieder zurück zur Bahnstation. Wenn man schon eine Tour in den Beinen hat und dann noch den Weg zurückläuft, kommt einem dieser Weg unendlich lange vor. So war es auch bei uns. Aber nützt ja nichts. Es ging dann immer weiter. Zum Schluss ging es wieder den langen geraden Weg hoch zur Bahnstation. Das kann sich gefühlt sehr lange ziehen. Aus dem Grund habe ich während dem Hochlaufen Musik gehört und so ging es doch einigermaßen. Für die Tour muss man echt fit und akklimatisiert sein, anders ist es aus meiner Sicht kaum möglich.

 

Zug verpasst – Abendessen in Gefahr?!

Als wir dann endlich bei der Bahnstation angekommen sind der Schock. Wir hatten die Bahn um 8 Minuten verpasst und die nächste Bahn sollte erst in einer Stunde kommen. Blick auf die Uhr – das wird knapp mit dem Abendessen im Hotelbergfreund. So haben wir sie angerufen und mitgeteilt, dass es für uns später wird. Beim Warten wurde es echt kalt und so haben wir uns entschieden in den Zug einzusteigen, welcher nach oben fährt, um nicht zu lange draußen zu sitzen. Bei der Fahrt runter wurden wir kontrolliert und wurden aufgefordert etwas nachzuzahlen. Durch das Verhandlungsgeschick von Max haben wir uns das zum Glück sparen können. In Zermatt ging es dann wieder zurück zum Hotel Bergfreund. Nach einer kurzen Dusche ging es zum Abendessen, welches noch besser als am ersten Abend war. Fertig und glücklich haben wir den letzten gemeinsamen Abend ausklingen lassen. Am nächsten Morgen ging es dann Richtung Deutschland. Für Max war die Tourensaison vorbei. Ich wollte mich ein paar Tage erholen vor meinem Abschluss im Berner Oberland.

 

Wie aus Unbekannten Bergpartner wurden

Eins will ich zum Abschluss noch sagen. Max und ich haben uns vor der Tourenwoche(n) noch nie live gesehen. Den ersten Kontakt hatten wir per Instagram. Nach einigen Nachrichten und anschließenden Videocalls haben wir uns entschlossen, eine gemeinsame Tour zumachen. Irgendwie haben wir uns dann gleich für 2 Wochen verabredet. Wenn man sich das einmal durch den Kopf gehen lässt, kann das ein hohes Risiko sein. Ich kann aber nicht anders sagen als dass es geniale zwei Wochen waren, mit so vielen geilen Momenten, Touren und Erlebnisse. Man kann wirklich sagen, dass aus zwei Fremden Bergfreunde geworden sind. Wir werden sicher auch in Zukunft noch die eine oder andere Tour miteinander machen.

 

Ich hoffe dir haben die Berichte zu den Touren mit Max gefallen. Wenn du noch Anregungen hast, kannst du mir das gerne schreiben. Bis dann,

Jonathan

3 Comments

  • Trackback: Tourenpartner – worauf kommt es an? - Jonathans Blog
  • Markus
    Posted 27/09/2021

    Hi Jonathan,
    kleine Korrektur: du sprichst vom Grenzsattel, meinst aber den Silbersattel. Der Grenzsattel liegt zwischen Dufourspitze und Nordend. In diesen kann man nicht abseilen, das ist die Verbindung wenn man den Westgrat klettert.

    • IMG 4656 - Dufourspitze und Nordend – Unser Abschluss
      Jonathan
      Posted 27/09/2021

      Moin Markus,

      danke für den Hinweis. Wird korrigiert.

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