Unterwegs in den Bergen

Bergsteiger auf dem Weg zur nächsten Tour

Beschreibung und Bewertung einer Route

Ich weiß noch als ich damals bei meiner ersten Felsklettererfahrung in den Führer reingeschaut und erstmal nicht so viel verstanden habe. Da waren viele Symbole und die Bewertung, mit denen ich nichts anfangen konnte und auch nicht wusste, was es bedeutet. Damit es dir beim Alpin-, Sportklettern oder bei Kletterstellen von Hochtouren nicht so geht, möchte ich dir heute alle Basics zu Führern erklären und was für dich die Symbole bedeuten und was du deshalb beachten musst.

 

Alle Infos zum Was, Wo und Wie

Eine Routenbeschreibung gibt dir als Bergsteiger/Kletterer alle wichtigen Informationen, die du für die Planung und dann für das eigentliche Klettern benötigst. Führer waren die Routenbeschreibungen von Alpinkletterrouten meistens in Textform. Bei Hochtouren ist das auch noch so. Beim Klettern hat sich das aber zu den sogenannten „Topos“ gewandelt. Topos sind Routenskizzen, welche alle relevanten Informationen für dich enthalten. Sie enthalten Infos über:

  • Anzahl der Seillänge
  • deren Länge
  • Verlauf
  • Absicherung
  • Schwierigkeit

 

Aus diesen Informationen kannst du für dich planen, ob die Klettertour geeignet ist, welches Material notwendig ist, wie du absichern musst und wie du für die Route vorgehen musst.

 

Das Topo 

In Führern findest du neben den Informationen über die Route auch Bilder über den Routenverlauf. Diese solltest du immer vorher am Felsen anschauen und dir vor Ort einen Plan über den Verlauf machen. Die Symbole in der Topo geben dir die restlichen Informationen. Unten im Bild dargestellt sieht du alle Symbole. Auf die wichtigsten werde ich eingehen.

 

Symbole in Kletterführern

Im Bild siehst du die standardisierten Symbole und eine Beispielklettertour, wie du sie auch in Führern wiederfinden kannst.

 

Die ersten zwei Reihen der Symbole sagen etwas über den Aufbau des Felsens aus. Geht deine Route durch einen Riss oder gibt es einen Überhang. Diese grundlegenden Informationen helfen dir immer die Routen einzuschätzen und machen auch meistens den Verlauf vor Ort deutlich.

 

Die ersten Symbole in der dritten Reihe zeigen dir eventuelle Natureinflüsse. Sind Bäume am Felsen, ist Geröll vorzufinden oder gibt es Schnee.

Die letzten Symbole der Reihe Haken, Bohrhaken, Sanduhr und fixer Keil sind entscheidend für deine Absicherung in der Route. Sind diese eingezeichnet weißt du, dass du an diesen Stellen wahrscheinlich keine eigenen Sicherungsmittel nutzen musst. Bei einer Sanduhr brauchst du aber mindestens eine Bandschlinge, welche du durchfädelst, um dich sichern zu können. Unten habe ich dir ein Beispiel dargestellt. Generell solltest du aber auch immer Material zum Selbstsichern wie Keile, Bandschlingen und Friends dabei haben, falls ein Haken doch nicht mehr vorhanden ist. Was du allgemein zum Klettern brauchst und was ich nutze kannst du hier nachlesen.

 

Elementare Infos der Route

Die vierte Zeile der Symbole stellt die elementaren Infos der Route dar. Hier findest du, ob ein Standplatz in der Route vorhanden ist und in welcher Qualität (Abhängig vom Platz, Stand etc.). Die Symbole zum Abseilen sind für dich auch bei der Planung deiner Ausrüstung wichtig. Beachte die angegeben Abseillänge und schau das du ein Seil dabeihast, welches noch ein wenig länger ist als die Länge, sodass du nicht in eine unschöne Situation kommst. Eine Schlüsselstelle ist meistens die schwerste Stelle der Route. Die einzelnen Seillängen und die Schwierigkeitsbewertung geben dir die Informationen, ob diese Route überhaupt etwas für dich ist. Beachte auch, wenn es mehrere Seillängen hintereinander sind, dass du die Kraft dafür hast und auch das Können zum Thema Nachsichern, Sicherungen legen und Standplatzsicherung, sowie Abseilen.

 

Die letzte Reihe der Symbole zeigt dir den Routenverlauf bzw. ob es Alternativen gibt. Der Routenverlauf ist in den Führern auch in Bildern nochmal eingezeichnet und dient dir zu Orientierung.

 

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Unterwegs in den Bergen. Oben beim Klettern und unten auf einer klassischen Hochtour

Bewertung der Routen

Um das Thema ein wenig einfacher zu machen, gibt es verschiedenen Skalen zu Bewertung von Kletterrouten. Damit du den Überblick nicht verlierst, habe ich dir alles wichtige in einer PDF zusammengefasst, die du dir einfach downloaden kannst.

 

Die UIAA Skala bezieht sich ausschließlich auf die klettertechnischen Schwierigkeiten. Sie erfolgt unabhängig von der Absicherung und von weiteren Routenanforderungen wie der Orientierung der Gesamtlänge, dem Zu- und Abstieg. Aus diesem Grund gibt es meistens in den Führern noch eine Ergänzung zu der eigentlichen Bewertung.

 

UIAA

Frankreich

USA

3

3

5.5

4

4a

5.6

5

5a

5.7

5+

5b

5.7/5.8

6-

5c

5.8

6

6a

5.9

6+

6a+

5.10a

7-

6a/b

5.10b/c

7

6b

5.10d

7+

6b+

5.11a

8-

6c/6c+

5.11a/b

8

7a

5.11c

8+

7a+/7b

5.11d/5.12a

9-

7b+

5.12b

9

7c

5.12b/c

9+

7c+/8a

5.12d/5.13a

10-

8a+/8b

5.13b

10

8b

5.13c/d

10+

8b+

5.14a

11-

8c

5.14b

 

Bewertung im Hochgebirge

Im Hochgebirge, vor allem in den Westalpen gibt es noch eine Skala vom Schweizer Alpin Club (SAC). Diese ist speziell für alpine Fels- und Eistouren. Grundlegend für die Bewertung ist, dass die Begehung bei stets normalem und trocknem Wetter durchgeführt wird. Das heißt, der Faktor Wetter ist nicht beinhaltet.

 

F – facile (leicht)

Firn und Gletscher: Einfache Firnhänge, kaum Spalten

Fels: Einfaches Klettergelände, das den Gebrauch der Hände erfordert. Anfänger müssen am Seil gehen.

 

PD – peu difficile (wenig schwierig)

Firn und Gletscher: In der Regel wenig steile Hänge, kurze steilere Passagen, wenig Spalten. Rückzug immer möglich

Fels: Einfaches Klettergelände, das den Gebrauch der Hände erfordert. Kletterstellen sind nur mäßig exponiert.

 

AD – assez difficile (ziemlich schwierig)

Firn und Gletscher: Steilere Hänge, gelegentlich bereits Standplatzsicherung notwendig. Viele Spalten, kleiner Bergschrund. Rückzug unter Umständen bereits problematisch

Fels: Es muss wiederholt gesichert werden. Routinierte Seilhabung und guter Routensinn erforderlich. Bereits recht lange und exponierte Kletterstellen vorhanden. Gelegentlich bereits Standplatzsicherung notwendig

 

D – difficile (schwierig)

Firn und Gletscher: Sehr steile Hänge, meistens Standplatzsicherung erforderlich. Viele Spalten, großer Bergschrund. Rückzug nur selten möglich

Fels: Guter Routensinn und effiziente Seilhabung notwendig. Kletterstellen sind lang und erfordern häufig Standplatzsicherung. Rückzug nur selten möglich

 

TD – très difficile (sehr schwierig)

Firn und Gletscher: Anhaltendes Steilgelände, durchgehende Standplatzsicherung

Fels: Wandrouten oder große Grattouren mit sehr anspruchsvollen und anhaltenden Kletterpassagen. Touren dieser Schwierigkeit zählen zu den großen Unternehmungen der Alpen

 

ED – extrêmement difficile (äußert schwierig)

Firn und Gletscher: Sehr steile und senkrechte Stellen erfordern Eiskletterei

Fels: Wanddurchstiege, die größtes Engagement erfordern

 

Alles eine Sache der Planung

Wie du siehst bekommst du aus dem einfachen Topo alle wichtigen Infos zu der Route, von der Schwierigkeit, über die Absicherung, zur Ausrüstung und zu deinem Können. Bei der Planung von Touren kann auch schnell klar werden, an was man noch arbeiten und lernen muss. Für all das gibt es Kurse und diese kann ich dir nur empfehlen. Wenn die Basis stimmt, hast du viel mehr Spaß in den Bergen.

 

Ich hoffe du kannst mit den Informationen deine nächste Klettertour noch besser planen. Wenn du Fragen und Anmerkungen hast, kannst du mir gerne schreiben. Bis dann,

Jonathan

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