Sicherungsgeräte im Bergsport

Blog Titelbild Sicherungsgeraete beim Bergsteigen - Sicherungsgeräte im Bergsport

Eines meiner ersten Ausrüstungsgegenstände, welches ich mir damals gekauft habe war ein Sicherungsgerät. Das zeigt, wie elementar es ist. Damals habe ich einfach das Gerät aus meinem Kletterkurs nachgekauft. Es war für mich am einfachsten, da ich keine Ahnung hatte, welche Unterschiede es gibt und welchen Anwendungszecke ein Sicherungsgerät abdecken soll. Aus diesem Grund gibt es den heutigen Blogartikel. Ich werde dir allgemein verschiedene Sicherungsgeräte vorstellen und anschließend, welche wir (meine Tourenpartner und ich) im Einsatz haben.

 

Unterscheidung von Sicherungsgeräten

Bevor wir mit den Sicherungsgeräten und der Einteilung reden, möchte ich mit der einfachsten Art des Sicherns beginnen.

Die Rede ist hier vom Sichern mit dem HMS Knoten. Diesen Knoten habe ich dir vor kurzen vorgestellt. Vorteil ist, dass man nur ein Karabiner braucht. Nachteil ist, dass der Knoten nicht automatisch blockiert. Aufgrund seiner Einfachheit solltest du den Knoten und diese Sicherungsvariante auf jeden Fall können.

 

Tuber

Ein Tuber ist vielseitig anwendbar und hat eine gute Handhabung. Vor allem bei Mehrseillängenrouten spielt er seine Stärken aus. Die meisten Tuber lassen sich auch zum Abseilen nutzen und können je nach Auslegung auch für Halb- und Zwillingsseile verwendet werden. Tubes sind sehr leicht. Eine vollständige Blockierung des Seils bleibt hier aber aus. Unaufmerksames Sichern kann hier zu gefährlichen Stürzen führen.

 

Halbautomatische Sicherungsgeräte

Halbautomatische Sicherungsgeräte verfügen über eine Blockierunterstützung. Das bedeutet, dass das Seil bei Belastung komplett blockiert. Hauptvorteil ist, dass dadurch menschliche Fehler wie Unaufmerksamkeit ausgeglichen werden können. Zusätzlich brauchst du kaum noch Handkraft, um das Sicherungsseil zu halten. Nachteil ist, dass nicht alle Halbautomaten für den alpinen Bereich taugen. Bsp.: GriGri*

 

Autotuber

Beim Autotuber ist die Brems und Blockierwirkung abhängig von der Bremshand. Ist diese an der richtigen Stelle so wird das Seil komplett blockiert. Bsp: Edelrid Jul2*.

Halbautomaten ist die übergeordnete Bezeichnung aller Sicherungsgeräte, die einen Blockiermechanismus haben. Solche, bei denen die Position der Bremshand einen direkten Einfluss auf die Bremsleistung haben, bezeichnet man außerdem als Autotuber.

 

Unsere Sicherungsgeräte

Edelrid Jul2

Steffan und ich nutzen in der Halle beim Klettern das Edelrid Jul 2*. Es ist einfach zu bedienen und eignet sich besonders für Anfänger. Das Jul 2 zählt zu den Autotubern und hat eine hohe Bremswirkung. Auch das Ausgeben des Seiles geht sehr gut beim Vorstiegsklettern. Das Gerät ist nur für Einfachseile geeignet und kann nicht für weitere Dinge genutzt werden.

 

Black Diamond 

Tobi nutz ein von Prinzip her sehr ähnliches Sicherungsgerät, und zwar das Black Diamond ATC Pilot. Es zählt auch zu den Autotubern. Auch hier ist die Handhandhabung einfach für ein sicheres Seilausgeben, Ablassen und Sichern. Auch hier blockiert das Gerät bei Zug. Im Vergleich zum Jul finde ich das Ablassen ruckelfreier. Man kann es besser dosieren, muss aber den optimalen Punkt beim Ablassen finden.

Eines der beiden Geräte kann ich dir für die Halle nur empfehlen.

 

Petzl GriGri

Auch das Petzl GriGri* findet man relativ häufig in der Kletterhalle. Bei uns nutzt es Malte. Das GriGri gehört zu den Halbautomaten. Ich selbst bin nicht der größte Fan, da ich die Handhabung nicht intuitiv finde. Es braucht deutlich mehr Übung. Auch der Preis ist deutlich höher. Auf der anderen Seite steht es für höchsten Sicherheitskomfort.

 

Petzl Reverso

Das Petzl Reverso* zählt zu den Tubern. Auch das Sicherungsgerät haben Steffan und ich. Der Einsatz ist vor allem im alpinen Gelände. Ein richtiger Allrounder. Man kann es für verschiedene Seiltypen nutzen und ermöglich auch das Nachsichern von zwei Nachsteigern. Vorteil ist vor allem auch das Gewicht. Eine Automatische Bremsfunktion hat es hingegen nicht. Für den alpinen Bereich auf jeden Fall empfehlenswert. Hier ist aber Übung von Nöten.

 

Edelrid MegaJul

Das MegaJul* ist ein weiteres Sicherunsgerät von Tobi. Es ist einfach in der Handhabung und ähnlich zum Jul2. Der Unterschied ist, dass man sich hiermit auch Abseilen kann und zum Nachstieg nutzen kann. Wir haben das aber nie hinbekommen. Durch seine Bauform ist es für Seile von 7,8 bis 10,5mm geeignet. Tobi nutzt es vor allem beim Felsklettern und im Alpinen Bereich.

 

Edelrid GigaJul

Das Edelrid GigaJul* habe ich mir damals aus Neugier gekauft. Es ist quasi ein Autotuber und ein Tuber in einem. Man kann es über einen Mechanismus auf den jeweiligen Modus stellen. Aus diesem Grund braucht man auch ein wenig Übung. Ich selbst habe es schon bei ein paar Touren im alpinen Gelände genutzt. Man hat alles dabei in einem Gerät.

 

Wichtig bei Sicherungsgeräten

Generell gibt es ein paar Dinge, worauf du bei der Auswahl von Sicherungsgeräten achten musst.

  • Du musst dich mit dem Sicherungsgerät wohlfühlen
  • Das Sicherungsgerät muss zu deinem Seil passen. Immer auf den Durchmesser achten
  • Wähle das Sicherungsgerät passend zu deiner Tour aus. Musst du sichern, dich abseilen, sichern am Stand? Mach dir vorher Gedanken
  • Als Anfänger würde ich dir immer ein Autotuber/Halbautomaten empfehlen. Das senkt das Risiko
  • Lerne richtiges Sichern mit deinem Sicherungsgerät. Das ist das A und O
  • Tipp: Kaufe dein Sicherungsgerät im Paket mit einem Karabiner. Das spart dir ein wenig Geld
  • Egal welches Sicherungsgerät du nutzt, eine Hand muss immer das Bremsseil kontrollieren

 

Haltbarkeit von der verschiedenen Geräten

Auch bei Sicherungsgeräten gibt es bei der Haltbarkeit einiges zu beachten. Da es zu deiner Sicherungsausrüstung gehört, solltest du ein besonderes Augenmerk darauf haben. Aus diesem Grund musst du dein Gerät auf Beschädigungen und Gebrauchsspuren untersuchen. Auch wenn dein Gerät mehrere Meter runterfällt, kann dies zu einem Austausch führen. Generell solltest du den Empfehlungen des Herstellers zur Nutzungsdauer folgen und dein Gerät regelmäßig tauschen. Die Informationen findest du immer auf den Internetseiten der Hersteller in den Anleitungen. Mal ganz ehrlich, jeder von uns wirft doch die Anleitung weg, nach dem Kauf.

 

Ausschnitt von Edelrid zum Jul2 

Maximale Lebensdauer bei optimalen Lagerbedingungen (siehe Punkt Lagerung) und ohne Benutzung: Keine Einschränkung bekannt.

Gelegentlicher Gebrauch

Bei gelegentlicher, sachgerechter Benutzung ohne erkennbaren Verschleiß (Verwendung mit sauberen Seilen) und optimalen Lagerbedingungen: 10 Jahre

Häufiger oder extremer Gebrauch

Bei häufiger Nutzung und sehr hoher Arbeitsleistung, z.B. mit verschmutzten Seilen, kann sich die Gebrauchsdauer deutlich reduzieren, bei extremem Gebrauch auch bis zu unter 2 Jahren.

Grundsätzlich ist das Bremsgerät sofort auszusondern:
– nach Absturz und Aufschlag aus großer Höhe,
– bei extremer Riefenbildung und / oder Deformationen, – Scharfkantigkeit durch Materialabtrag
– bei Beschädigungen oder Funktionsstörungen.

Das nutze ich – meine Varianten

Ich selbst habe mehrere Sicherungsgeräte. Das hat den Hintergrund, dass ich Sicherungsgeräte für spezielle Anwendungen habe. Teilweise habe ich aber die Sicherungsgeräte aus Neugier gekauft.

  • Edelrid Jul2 – Sicherungsgerät für die Kletterhalle
  • Edelrid GigaJul – Aus Neugier gekauft. Einsatz bei manchen Hochtouren. Allrounder
  • Edelrid Micro Jul – Einsatz für meine Zwillingsseile
  • Petzl Reverso – Einsatz bei Hochtouren

Meistens nutze ich aber auch Hochtouren einen Abseilachter zum Abseilen und den HMS Knoten zum Sichern. Eigentlich nicht die optimale Lösung, aber ich komme gut klar. Hier werde ich aber in Zukunft sicher noch was anpassen. Vor meinen Touren werde ich mir darüber Gedanken machen.

 

Sicherungsgeräte – einfaches Prinzip mit maximaler Wirkung

Wie du siehst gibt es Sicherungsgeräte in den verschiedenen Varianten. Ich selbst habe auch verschiedene über die Jahre gekauft. Diese nutze ich entsprechend für den Einsatz am Berg bzw. in der Halle. Entscheidend ist am Ende aber die richtige Handhabung. Lerne das in Ruhe und lass es dir von Experten zeigen. Die Vorstellung der Sicherungsgeräte kommt auch morgen auf YouTube. Wenn du noch Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben. Ich wünsche dir einen schönen Start in die Woche. Bis dann,

Jonathan

 

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2 Antworten

  1. David sagt:

    Cooler Artikel!
    Ich kann noch zwei Sachen ergänzen:
    1. Beim Click-Up (eine Art Autotuber) ist uns aufgefallen, dass er die dazugehörigen Karabiner stark verschleißt und eine scharfe Kante am Karabiner erzeugt, über die ich nicht gern ein Seil belasten würde. Also beim Ausrüstungscheck auch unbedingt die Karabiner checken. Ich persönlich lasse bis zu 10 – 15 % des Karabinerdurchmessers an Abnutzung zu und verwende die Karabiner ab dann nur noch redundant als Umlenker beim Sportklettern. Wenn er keine scharfen Kanten hat!!!
    2. Bei Tubern in Mehrseillängentouren / alpinen G’schicht’n will ich den Dummyrunner nicht unerwähnt lassen. Wenn der Vorsteiger vor der ersten Zwischensicherung in den Tuber fällt, kann die Lastrichtung so ungünstig werden, dass die Bremswirkung fast verschwindet. Der Dummyrunner ist oft eine zusätzliche Exe, die dann wieder ins Gewicht geht. Aber ich liebe Tuber auf alpinen Touren, da sie auch im Falle eines Flaschenzugs (Spaltenbergung, Schlüsselstelle zu schwer für Nachsteiger) direkt als super smoothe Rücklaufsperre dienen.

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