Letztes Jahr hatte ich auf meinen Touren so einige Probleme mit dem Seilhandling. Mal war es nicht richtig aufgenommen, mal verknotet, dann wieder dreckig und zum Schluss hatte es einige Schrammen. Der Umgang mit dem Seil war sogar einer meiner Lernpunkte. Um das Thema nicht nur für mich nochmal aufzubereiten, möchte ich heute alles Relevante rund um das Thema Berg- und Kletterseile mit dir teilen.

 

Seil – Vergangenheit und Gegenwart

Kurzer Blick in die Historie. Früher waren Bergseile schlicht aus drei oder vier Hauptfasern geflochten. Heutzutage haben wir andere Seilaufbauarten. Moderne bestehen aus einem Kern mit gedrehten oder parallelen Fasern, der mit einem Mantel vor Schmutz und Beschädigung geschützt wird.

Kernmantelseile sind die einzigen Seile, die die UIAA und das Europäische Komitee für Normung zum Klettern zulassen.

 

Seiltypen – warum gibt es verschiedene Seile?

Seiltypen und ihre Anwendungen

Ich möchte heute auf drei verschiedenen Typen eingehen

  • Einfachseil (Durchmesser 9-11mm)
  • Halbseil (Durchmesser 8-9mm)
  • Zwillingsseil (7,8-8,5mm)

 

Einfachseil

Einfachseile bieten ausreichende Verwendung im Einzelstrang. Es ist leicht und stellt einen guten Kompromiss zwischen Gewicht, Lebensdauer und Sicherheitsreserven dar. Das Seil eignet sich zum Sportklettern und für Gletscherbegehungen. Wenn du in schwierigen Klettergraten mit hoher Sturzwahrscheinlichkeit unterwegs bist, dann solltest du beim Kauf darauf achten, dass es ein Multisturzseil ist. Diese sind aufwendiger konstruiert, haben dafür eine längere Lebensdauer.

Beispiel für ein Einfachseil: Petzl Erwachsene Verticality Einfachseil, orange, 30m 

 

Halbseile

Um ausreichende Reißfestigkeit bei Halbseilen zu gewährleisten, müssen diese im Doppelstrang, d.h. zwei Seile als Zwillingsseil oder als Doppelseil, verwendet werden. Einzige Ausnahme ist – vorschriftsmäßige Gehtechnik vorausgesetzt – das Begehen von Gletschern. Die Verwendung von Halbseile als Zwillingsseile bietet höchste Sicherheitsreserven auch bei Stürzen über scharfe Kanten.

Beispiel für ein Halbseil: Petzl Erwachsene Verticality Einfachseil, orange, 30m

 

Zwillingseile

Zwillingsseile müssen immer doppelt verwendet werden. Sie haben den Vorteil der oben genannten Zwillingstechnik bei geringerem Gewicht, aber auch geringer Lebensdauer. Sie dürfen nicht im Einzelstrang am Gletscher genutzt werden.

Beispiel für ein Zwillingsseil: Link zu den Zwillingsseilen

 

Seilfarben

Die Muster und Farben der Seile unterscheiden sich je nach Hersteller. Hier gibt es keine Vorgabe. Bei manchen Seilen markiert eine andere Farbe die Seilmitte oder es ist ein Wechsel der Farbe gegeben Meistens ist jedoch die Mitte schwarz markiert. Diese Markierung ist wichtig beim Aufnehmen des Seils, beim Abseilen und auch bei Klettern im Vorstieg, um das aufgebrauchte Seil abschätzen zu können. Wichtig ist, wenn du die Markierung selbst machst, dass du nur vom Hersteller zugelassene Farben (Arten) nutzt.

 

Wasserabweisende Seile

Gerade wenn man viel draußen unterwegs ist und dein Bergseil den Witterungen, Schnee und Eis ausgesetzt ist, sind wasserabweisende Seile eine Pflicht. Nasse Seile werden nicht nur schwer und unangenehm in der Handhabung, sondern können auch gefrieren. Untersuchungen zeigen auch, dass nasse Seile weniger Stürze aushalten und etwa 30% weniger belastbar sind. Um dem ganzen vorzubeugen werden Seile mit einer silikonbasierten Schutzschicht behandelt. Wasserabweisende Seile kosten etwa 15% mehr als unbehandelte Seile.

 

Haltbarkeit und Seilpflege

Da dein Berg/Kletterseil ein elementarer Bestandteil deiner Sicherheitsausrüstung ist solltest du es richtig pflegen und prüfen.

Ziel ist es immer Beschädigungen am Seil zu vermeiden. Nur leider können diese schneller geschehen als einem lieb ist. Ich möchte dir hier ein paar Beispiele geben. Tritt man auf das Seil so können scharfe Partikel in und durch den Mantel dringen. Im Lauf der Zeit können diese den Kern aufschlitzen. Noch schlimmer sind Steigeisen. Ich denke jedem ist es schon mal passiert, dass man mit den Zacken aufs Seil getreten ist. Diese können oft auch Beschädigungen verursachen, auch wenn man sie nicht sieht. Ebenso muss man das Seil auch vor gewiesen Chemikalien schützen.

 

Reinigen und Trocknen

Ein Seil kann man auch reinigen. Hierbei sind vor allem die Hinweise des Herstellers zu beachten. Du reinigst es am besten von Hand in der Badewanne. Du kannst auch Seife verwenden, aber aufpassen. Anschließend auswaschen und zum Trocknen aufhängen oder ausbreiten. Vor allem musst du es vor Sonneneinstrahlung schützen. Um die wasserabweisende Schutzschicht zu erneuern, gibt es spezielle Sprays. Schau hier einfach auf der Seite der Hersteller.

 

Auch beim Lagern gibt es einiges zu beachten. Vor der Lagerung sollte es komplett trocken sein. Sämtliche Knoten solltest du lösen und es lose aufwickeln. Der Ort der Lagerung sollte trocken, kühl und an einem lichtgeschützten Ort sein.

 

Austauschen nach regelmäßiger Nutzung

Irgendwann kommt der Punkt, dass du dein Seil austauschen musst. Als ersten Schritt kontrollierst du regelmäßig den Mantel deines Seils. Besonders nach deinen Hochtouren und oder nach einem Sturz solltest du den Mantel prüfen. Uns ist nach einem Sturz in der Kletterhalle ein Riss im Mantel aufgefallen, der vor der Einheit nicht da war. Es kann schnell gehen. Falls der Mantel des Seils beschädigt ist, sollte man die gesamte Haltbarkeit des Seils hinterfragen. Wenn man den Kern des Seils sieht, muss man es sofort austauschen.

 

Richtlinien – Lebensdauer eines Seils

  • Ein Berg/Kletterseil, das täglich genutzt wird, sollte nach einem Jahr ausgetauscht werden.
  • Ein Berg/Kletterseil, das an fast jedem Wochenende zum Einsatz kommt, kann etwa zwei Jahre lang genutzt werden.
  • Ein Seil, das nur gelegentlich benutzt wird, sollte nach etwa 4 Jahren gewechselt werden (das Material ermüdet im Laufe der Zeit)

 

Aufnehmen

Zum Tragen und Lagern wird es üblicherweise zu einer “Puppe” aufgenommen. So kannst du es transportieren. Ich verlinke dir hier ein Video.

Vor dem ersten Klettern oder vor den ersten Hochtouren ist es immer wichtige das Seil auszulegen oder auszubreiten, um sicherzugehen, dass es nicht verknotet ist. Bei uns war schon einmal ein Knoten im Seil und wir haben es nicht kontrolliert. Das führte zu erheblichen Problemen.

Fürs Sportklettern empfiehlt sich vor allem ein Seilsack. Dort ist es auch beim Transport geschützt.

 

Seile im Bergsport

Wie du siehst lohnt es sich einen genaueren Blick auf das Thema Bergseile beim Bergsport zu werfen, da sie einen elementaren Anteil in der Sicherungskette haben. Neben der richtigen Wahl ist vor allem der richtige Umgang und anschließend die Lagerung und die Überprüfung wichtig. Wenn du noch Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben. Bis dann,

Jonathan

 

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