Gedankenchaos während der Hochtouren

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Neue Erfahrungen

Dieses Jahr kamen bei meinen Hochtouren komplett neue Erfahrungen auf mich zu. Das lag vor allem an den Schwierigkeiten der Touren. Das erste Mal war ich nach den Touren nicht nur körperlich etwas platt, sondern vor allem mental. Die Touren waren für meinen Kopf anstrengend. Das Ganze hat sich stärker ausgewirkt, als mir lieb war. Heute will ich dir von meinen Gedanken während den Touren erzählen, wie ich mit den Situationen umgegangen bin und was ich daraus für mich schließe.

 

Was denkt man eigentlich während einer Hochtour

Zugegeben ich habe zu diesem Thema schon einmal einen Artikel geschrieben. Da ich dieses Thema so spannend und auch entscheidend finde, teile ich heute meine letzten Erfahrungen zu diesem Thema.

In meiner ersten Hochtourenwoche dieses Jahr war ich im Martelltal unterwegs. Die Touren dort waren zum Eingehen. Allesamt nicht schwierig und auch abends nach den Touren war ich nie platt. Nach der Woche ging es für mich dann nach Zermatt. Die erste Tour ging hoch auf das Obergabelhorn über den kompletten Arbengrat. Auf die Gedanken während dieser Tour möchte ich dich mitnehmen.

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Erfahrung während der Tour

Wir sind um 2 Uhr nachts gestartet und die ersten 4 Stunden im Dunkeln gelaufen. Der Vorteil dabei ist immer, dass man nicht unbedingt sieht was links und rechts von einem ist. Ich finde das besonders für die Psyche nicht so anstrengend. Ich habe in der Dunkelheit immer ein Gefühl von „Sicherheit“. Beim Einstieg in den Grat zum Gipfel war es dann hell. Ab hier konnte man alles sehen und ich kann dir eines sagen: der Grat war lang, sehr lang sogar. Wir sind gestartet, der Anfang war noch relativ human und dann kamen ein paar Schlüsselstellen. Links und rechts ging es steil herunter. Fallen war hier absolut verboten. Das ist der erste Punkt, der mich fertig gemacht hat. Die nächsten 6 Stunden durfte ich keinen Fehler beim Treten und beim Greifen machen. Die Konzentration so lange so hoch zu halten, neben der körperlichen Anstrengung ist eine Mammutaufgabe. Dazu kamen noch ein paar Randbedingungen wie etwa gefrorene Felsplatten, die die Trittsicherheit nicht verbessert haben.

 

 

Start des Gedankenchaos

Und dann ging das Gedankenrat los. „Warum tust du dir sowas in deinem Urlaub an?“ Bist du todessüchtig?“ „Du könntest jetzt auch irgendwo am Strand liegen.“ Die Gefahr bei solchen Gedanken ist bei mir immer: sobald ich abgelenkt werde beim Gehen auch durch meine eigenen Gedanken und nicht zu 100 Prozent auf meinen nächsten Tritt fokussiert bin, passieren Fehler. Da kann es sein, dass ich einen Tritt nicht sauber trete und abrutsche. Die Griffe nicht gut wähle usw. Das kann zu ganz schlimmen Unfällen führen. Deshalb habe ich meinen Fokus immer wieder zurück auf den nächsten Schritt gebracht und versucht, meine Gedanken zu ignorieren und mir gesagt: „Schritt für Schritt dem Ziel entgegen.“ Dieser Satz hat mich ungemein beruhigt. Ein weiterer Vorteil war, dass wir für die Tour zu zweit unterwegs waren und mein Seilpartner und ich uns kannten. Das gibt gerade im schwierigen Gelände eine zusätzliche Sicherheit.

 

Gedankenchaos auch noch nach der Tour

Als wir nachmittags an der Hütte angekommen waren, war ich fix und fertig. Vor allem mein Kopf war komplett erschöpft. Ich habe mich erstmals hingelegt und geschlafen. Abends habe ich dann meditiert, um meine Gedanken komplett herunter zu fahren und um meine Gedanken zu kontrollieren. Ich habe schon öfter meditiert und dort auch verstanden warum es sinnvoll ist, seine Gedanken und Psyche zu trainieren. Dir kann ich Mediation auch gerade fürs Bergsteigen nur empfehlen. Ich selbst arbeite mit der App Headspace. Schau hier vorbei für mehr Informationen.

Am nächsten Tag ging es gleich weiter zur nächsten Tour und ich habe gemerkt, dass ich nicht ganz so frisch war. Für mich habe ich daraus mitgenommen, dass es sinnvoll ist, einen Ruhetag nach schweren Touren einzuplanen (bei einfachen Touren mache ich keine Ruhetage), um den Körper und dem Kopf eine Pause zu gönnen, anstatt jeden Tag Vollgas zu geben.

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Alles was ich dir hier mitgeben kann, sind meine Erfahrungen. Jeder hat ein anderes Level und eine andere Definition von schweren Routen. Ich bin froh, dass ich diese für mich neuen Erfahrungen gemacht habe und freue mich schon auf die neuen Herausforderungen, die jetzt kommen können.

 

Mein Fazit

Du hast gesehen, dass die Touren mich vor neue Herausforderungen gestellt haben. Um diesen neuen Herausforderungen gewachsen zu sein, habe ich folgende Lernpunkte für mich mitgenommen:

  • Training der Psyche durch Meditation
  • Ruhetage nach psychisch anstrengenden Touren
  • Schwere Touren nur mit einer bekannten Seilschaft/ Seilpartner durchführen

Ich hoffe, du konntest einige Punkte aus dem Artikel für dich mitnehmen und nachvollziehen. Gerne darfst du deine Erfahrungen mit mir teilen. Ich freue mich, von dir zu hören und wünsche dir einen schönen Start in die Woche. Bis dann,

Jonathan

 

PS: Ich habe für dich noch eine Buchempfehlung zu dem Thema: Mental stark am Berg: Wie wir unserer Psyche bergfit machen: Trainig, Technik, Theorie (Ausbildung)ir?t=bergsteigenle 21&l=am2&o=3&a=3859024159 - Gedankenchaos während der Hochtouren

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2 Antworten

  1. Oliver sagt:

    Hi!
    Cooler und interessanter Beitrag. Das Thema finde ich auch sehr interessant. Ich versuche bei Hochtouren eigentlich immer an nichts zu denken. Ich gehe einfach immer weiter und weiter, bis ich irgendwann am Gipfel ankomme. Das funktioniert nicht immer aber es hilft bei mir. Und in der Dunkelheit würde ich mich auch an steile Grate besser rantrauen als im Hellen.
    Lg
    Oli

    • IMG 4656 - Gedankenchaos während der Hochtouren Jonathan sagt:

      Hey Oli,

      Danke für deinen Kommentar. Am besten läuft man wirklich mit einen leeren Kopf;) die Dunkelheit kann bei Graten echt ein Freund sein.

      Schönen Tag noch.

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