Die Angst beim Bergsteigen

Titelbild Angst beim Bergsteigen - Die Angst beim Bergsteigen

Erste Erfahrungen

Ich kann mich noch genau erinnern. Wir waren bei einer Gratkletterei unterwegs. Ziemlich anstrengend und alles in 3500 Meter Höhe. Um zu dem Gipfel zu gelangen, mussten wir noch ein wenig an einem Kamm klettern. Links und rechts ging es jeweils 400 Meter runter. In der Situation ging mir der „Arsch auf Grundeis.“ Ich hatte selten so viel Angst.

 

Wie wirkt sich die Angst aus?

Ich hing an dem Kamm. Eigentlich konnte nicht viel passieren. Selbst wenn ich gefallen wäre, wären es „nur“ ein paar Meter gewesen, bis ich ins Seil gefallen wäre. Ziemlich viel Konjunktiv und das dem Gehirn klar zu machen, war für mich in der Situation unmöglich. Bei mir hat sich die Angst von meinem Kopf auch auf meinem Körper übertragen und das ziemlich deutlich. Ich hatte, während ich weiter klettern wollte, einen Krampf in der rechten Wade bekommen. Wem das schon mal passiert ist, weiß wie unangenehm das schon am Boden ist, geschweigend auf 3500 Meter Höhe.

 

Wie geht man mit der Angst um?

Die Angst war dadurch nicht nur in meinem Kopf, sondern auch real spürbar für mich. Ich hatte meine Psyche für ein paar Minuten nicht mehr unter Kontrolle. Ich habe mir dann einen Platz gesucht, an dem ich sicher stand und kurz tief durchgeatmet. Mein Ziel war es, das Gedankenkarussell in meinem Kopf entschleunigen und bremsen. Nachdem meine Gedanken geordnet waren, ging es darum, mein Bein zu entspannen. In solchen Extremsituationen kann ich bei mir immer beobachten, wie ich anfange, zu verkrampfen. Genau das Gegenteil ist nötig in solchen Situationen. Ich habe mein Bein ein wenig hängen lassen und versucht, es zu lockern. Um mein Verstand auszutrixen, habe ich dann noch einen Energiegel konsumiert, um maximale Power zu bekommen. Es hat funktioniert. Ich konnte weiter klettern und bin auf dem Gipfel angekommen.

Abends auf der Hütte hab ich mein Bein noch stark gespürt. Es war noch übersäuert und drohte weiter zu krampfen. Durch leichte Massage des Beines wurde es besser und ich konnte die kommenden Routen  alle ohne Probleme machen.

 

Was hat mir die Situation gezeigt?

Die Situation hat mich ein paar Dinge gelehrt.

  1. Neben dem körperlichen Training muss man auch seinen Kopf und Geist trainieren
  2. Angst ist ganz normal in solchen Situationen, man darf sich nur nicht von ihr beherrschen lassen
  3. Ruhe bewahren. Nicht in Panik verfallen!
  4. Atmung kann einen wieder zurückholen.
  5. Bergsteigen ist massives Komfortzonen-Erweiterung.

In einem früheren Artikel habe ich dir schon einmal erklärt, wie man die Psyche trainieren kann und wie du mit der Angst umgehen kannst. Heute wollte ich dir nochmal zeigen, auch wenn man schon einige Routen und Touren hinter sich hat, gibt es immer wieder Situationen, an denen man an seine Grenzen kommt und weit darüber hinaus. Wichtig ist zu wissen, wie du reagieren kannst.

Wenn dich das Thema näher interessiert oder du schon ähnliche Erlebnisse hattest, dann schreib mir eine Nachricht. Ich freue mich, von dir zu hören. Einen schönen Start in die Woche.

 

Bis dann,

 

Jonathan

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